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Gefährliche Gedanken

24.09.2003, ()

Vorurteile sind verpönt, doch sie haben einen klaren Nutzen: Mit ihrer Hilfe bringen wir die komplizierte Welt um uns herum auf einen einfachen Nenner. Vorgefasste Denkmuster und Einstellungen ersparen lästigen Denkaufwand und bilden eine Art Schutzwall um das eigene Selbstwertgefühl, schrieben Florack und Scarabis. Gefährlich werden die mentalen Kurzschlüsse jedoch spätestens dann, wenn wir andere auf ihre vermeintlich negativen Eigenschaften reduzieren und in ihrer Menschenwürde angreifen.

Wie tief negative Einstellungen gegenüber anderen im Gedächtnis verankert sind, belegen Tests. Der US-Psychologe John Dovidio, zeigte Versuchspersonen vorurteilsbelastete Bilder, etwa von Menschen schwarzer Hautfarbe. Die Präsentation war jedoch so kurz, dass die Bilder nicht bewusst wahrgenommen wurden. Trotzdem zeigte die unterschwellige Diashow Wirkung: die Versuchspersonen konnten nun negativ besetzte Wörter wie "Mordbube" schneller erfassen. Das Gedächtnis stellt offenbar blitzschnell stereotype Bewertungen bereit, die unser Urteil und Verhalten beeinflussen, ohne dass wir uns dessen bewusst sind.

Dementsprechend schwierig ist es, die eigenen Einstellungen durch gedankliche Selbstkontrolle im Zaum zu halten. Die Macht der Vorurteile beruht unter anderem darauf, dass sie so enorm hartnäckig sind. Florack und Scarabis führen hierfür verschiedene Faktoren an: Die eigene Gruppe wird meist differenziert wahrgenommen, fremde dagegen als einheitliche Masse. Was dem Stereotyp widerspricht, wird ignoriert oder als Ausnahme von der Regel gewertet. Insgesamt verzerren Vorurteile die eigene Wahrnehmung derart, dass sie scheinbar stets aufs Neue bestätigt werden - ein Teufelskreis.

Was also tun, um der mentalen Scheuklappen Herr zu werden? Angesichts ihrer Hartnäckigkeit ist Prävention Pflicht. Die Psychologen empfehlen, Schulkinder gezielt mit Minoritäten zusammen zu bringen. Denn im alltäglichen Kontakt miteinander können sich stereotype Ansichten gar nicht erst festsetzen.

Dabei darf jedoch keine Gruppe die andere dominieren. Gleichberechtigung gilt als Voraussetzung dafür, dass bestehende Unterschiede weniger ins Gewicht fallen. Nicht zuletzt auch die Medien sollten sich ihrer Rolle bei der Verbreitung stereotyper Wahrnehmungen bewusst sein. Am Ende bleibt es jedoch jedem selbst überlassen, die nötige Distanz zu den eigenen Überzeugungen einzunehmen - auch wenn das manchmal mühsam ist.

Wenn Sie das Thema interessiert, schauen Sie doch in die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift Hirn&Geist www.gehirn-und-geist.de

Vielen Dank an den Spektrum-Verlag für die freundliche Erlaubnis diese Auszüge hier zu veröffentlichen.

 

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