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Gedanken aus dem Gefängnis

08.05.2008, (JA)

Erstmals im deutschen Strafvollzug berichten junge Gefangene im Internet über ihre Erfahrungen und Gedanken im Knast. Zielgruppe sind vor allem Jugendliche, die ebenfalls Gefahr laufen, delinquent zu werden oder es bereits sind. Bei podknast.de sind nur Beleidigungen und Strafbares tabu, sonst geht die teils derbe Sprache der Knackis weitgehend ungeschnitten ins Netz.

Das Projekt podknast.de, gefördert vom Justizministerium und der Landesmedienanstalt NRW, macht die Gedanken von (zunächst nur jugendlichen) Straftätern im Internet hörbar:

Ich fühle mich zurzeit sehr schlecht. [...] Ich habe nie gedacht, dass mir die Familie so fehlen würde. Da muss man auch schon mal weinen...

Marco (alle Namen der Gefangenen werden vor Veröffentlichung geändert) ist zwanzig und ist einer der Protagonisten bei podknast.de. Er hatte bei seiner Zustimmung zu Mitschnitt und Veröffentlichung seiner Gedanken besonders seine jüngeren Brüder im Auge. Ihnen sollte erspart bleiben, was aus dem einstigen Schrecken der Straße momentan einen eher kleinlauten und nachdenklichen großen Jungen gemacht hat.

Mit seinen sehr persönlichen Worten erreicht er jedoch auch viele andere, die anders eben nicht zu erreichen sind, denkt NRW-Justizministerin Roswitha Möller-Piepenkötter. Genau wie auch die anderen strafgefangenen Podcaster: In Ihren teils mehrere Minuten langen Hördateien offenbart sich neben Nachdenklichkeit auch viel Naivität, teils sind die Gedanken auch unlogisch oder derbe formuliert, aber auf jeden Fall sind sie authentisch. Alle bisher angesprochenen Strafgefangenen haben mitgemacht, obwohl ihnen bewusst gemacht wurde, dass ihre Tondokumente vielleicht noch Jahre im Netz verfügbar sein könnten.

Der pädagogische Zeigefinger (jeder Clip beginnt mit den Worten: "Im Namen des Volkes...") wird glücklicherweise von der Authentizität der Direktheit und Offenheit der jungen Gefangenen deutlich übertroffen. Ihre weitgehend ungeschnittenen und ungeschminkten Berichte von der Langeweile, Monotonie und Tristesse des Gefängnisses und die teils beginnende oder auch schon fortgeschrittene Auseinandersetzung mit ihren Taten sind vielfach interessanter als sogenanntes reality TV bei Big Brother.

Diese in Deutschland bisher einzigartige Idee könnte wirklich Schule machen.

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