Nach der zuletzt auf reticon geübten Kritik am Fernseh-Journalismus und dem Recycling von Beiträgen nun ein versöhnlicher Beitrag.
Denn es gibt sie noch, Fernsehsendungen, die einfach gut gedacht und gut gemacht sind. Auf ZDFinfo läuft die Sendereihe "Wie tickt ...?". Im Mittelpunkt stehen Stephan Lamby, ein erfahrener Journalist und Fernsehmacher, und eine prominente Person. Während andernorts die täglichen Talkrunden immer größer und ihre thematischen Zuspitzungen immer spezieller werden, findet hier ein ausführliches, porträtierendes Interview statt.
Abwechselnd sitzen sich also nun Interviewer Lamby und Interviewter, z.B. Journalist und Verleger Jakob Augstein, an einem außergewöhnlichen Ort gegenüber oder gehen gemeinsam spazieren. Die Übergänge zwischen den einzelnen Sequenzen werden eingeleitet durch die Kamerasicht auf den Interviewten, dieser aktiviert jeweils spielerisch das Abspielen der nächsten Einstellung, indem er auf das Objektiv der Kamera tippt. Dann wird ein aussagekräftiges Zitat der nächsten Minuten eingeblendet.
Entscheidend zur Faszination der Sendung trägt die Kunst Stephan Lambys bei, seinem Gegenüber auf eine angenehme, unaufgeregte Art Fragen zu stellen, sodass der einiges von seinen Gedanken preisgibt. Dabei geht es in dem oben erwähnten Beispiel vor allem um die Rolle von Journalisten, Verlegern, um die Einschätzung heutiger Politik und nur am Rande um Privates.
Im Grunde keine neue bahnbrechende Idee des Fernseh-Journalismus. Doch im heutigen Medienzeitalter eine rühmliche Ausnahme, geht es doch einfach nur um intelligente Gespräche zweier Menschen.
30 Minuten – 2 Menschen und 1 Erkenntnis: Auch 2011 gibt es noch Sehenswertes!
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