[Update vom 07.01.2008]
Wie Spiegel-Online berichtet ist kommunikativ und inhaltlich da einiges in den NRW-Ministerien durcheinander gegangen - ein Erziehungscamp wird es demnach auch in NRW nicht geben: Spiegel-Online: Das falsche Erziehungscamp
Damit möchte sich der Minister von den in den letzten Tagen immer wieder ins Spiel gebrachten "Bootcamps" nach US-Vorbild absetzen.
Ob allerdings jetzt Camps die Antwort auf die PISA-Fragen sind? Diese werden wohl kaum die "Chance" für sozial Benachteiligte werden. Schaut man auf die Zahlen, sieht das ganze auch eher nach Aktionismus denn nach Konzept aus: Ein Erziehungscamp für 20-25 Jugendliche - aus ganz NRW.
Bildung mit "Schwierigen" ist in erster Linie personalintensiv. Da reicht es eben nicht, nur Angebote bereitzustellen. Ein Erziehungscamp ist dann das Ende einer Kette, in der zuvor Elternhaus, Schule, Gesellschaft und Jugendarbeit "versagt" haben oder an ihre Grenzen gestoßen sind. So lange aber die genannten Einrichtungen nicht Teil eines Gesamtkonzepts sind, werden auch Camps das Problem nicht lösen.
Aber in NRW fehlen auch in der Opposition die konkreten Ideen. Aussagen wie "«Wir brauchen ein Bildungssystem, das alle Kinder und Jugendlichen systematisch fördert und fordert, damit sie gleiche Chancen und Perspektiven in unserer Gesellschaft erhalten», betonte Löhrmann (Grüne NRW)" klingt wie PISA, ist aber so schön schwammig, dass darunter alles und nichts zu verstehen ist.
Und auch die CDU-Forderung nach härteren Strafen, wird kaum jugendliche Straftäter wirklich abschrecken. Gefordert in der Diskussion sind jetzt eigentlich die Erziehungswissenschaftler, die nun endlich die Diskussionshohiet über das Thema an sich nehmen sollten und das Feld nicht den Juristen überlassen. Es handelt sich schließlich um eine pädagogische und nicht um eine juristische Frage.
Update 05.01.:
Passend zum Thema heute noch eine WDR-Meldung. Demnach sind die Jugendgerichte im Rheinland nach eigener Aussage personell unterbesetzt und hätten lieber mehr Personal als schärfere Jugendgesetze. Dort heißt es zur Überlastung der Gerichte:
"Ursachen seien eine immer weiter steigende Zahl an Anzeigen und der stetige Stellenabbau an den Gerichten. Allein in Köln mussten im vergangenen Jahr acht Jugendrichter mehr als 3.300 Fälle von Jugendkriminalität bearbeiten, in Bonn verhandelten drei Richter mehr als 500 Anklagen." (Quelle: WDR)
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