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Erst die Gruppe macht den Terroristen

29.03.2007, (MR)

Das Thema Terrorismus wird in letzter Zeit immer wieder thematisiert. Ob Al Kaida oder die Diskussion um den Umgang mit ehemaligen RAF Terroristen. Was macht Menschen zu Terroristen? Der Psychologe John Horgan (St. Andrews University) berichtet in Gehirn&Geist (Heft 4/2007), dass Terrorakte ein Ergebnis sozialen Gruppendrucks seien.

Der nachfolgende Beitrag mit freundlicher Genehmigung des Spektrum-Verlags:

"Entgegen verbreiteter Vorurteile sind die wenigsten Terroristen psychopathisch veranlagt. Vielmehr schlägt radikales Denken unter
Gruppendruck schnell in Gewalt um - eine brisante Erkenntnis auch angesichts der Diskussion um die letzten inhaftierten Ex-RAF-Terroristen.

Was verbindet Christian Klar und Mohamed Atta? Wie der Psychologe und Terrorismusforscher John Horgan von der schottischen St. Andrews University in der aktuellen Ausgabe von Gehirn&Geist (Heft 4/2007) berichtet, sind Terrorakte meist das Produkt sozialen Gruppendrucks.

Die Selbstaufgabe im Kollektiv sei ein immer wieder zu beobachtendes Muster, wie Horgan in internationalen Feldstudien und Befragungen von Ex-Aktivisten verschiedener Terrorgruppen herausfand.

Zwar unterscheidet die Öffentlichkeit kaum zwischen politischem Radikalismus und Terrorgefahr - doch greifen die wenigsten Radikalen tatsächlich zur Waffe. Um die Tötungshemmung abzulegen, müssen vielmehr sozialpsychologische Mechanismen hinzukommen: Manche Splittergruppen erheben das politische Ziel zur einzig gültigen Maxime und setzen ihre Mitglieder entsprechend unter Druck: "Wer nicht für uns ist, ist gegen uns!"

 Für ihr Tun winken den Aktivisten aber auch "Belohnungen": soziale Anerkennung, klare Werteorientierung, ein starkes
Zusammengehörigkeitsgefühl - bis hin zu irrealen Heilsversprechen für das Jenseits. Weder erlittene Schmach und Traumatisierung noch eine vermeintlich "terroristische Persönlichkeit" spielen nach Lage der Forschung größere Rollen, so Horgan gegenüber der Zeitschrift Gehirn&Geist.

 Der deutsche Terrorexperte Lorenz Böllinger, Kriminologe und Psychologe an der Universität Bremen, glaubt dennoch an eine relativ feste Stufenfolge auf der terroristischen "Karriereleiter".
Persönliches Leiden - oft auch am eigenen Umfeld - und gemeinschaftliche Radikalisierung münden schließlich in Gewalt. Zu
Reue und Schuldeinsicht komme es, wenn überhaupt, meist erst viele Jahre nach dem Ausstieg aus der Terrorszene.

 Verschiedene psychologische Ansätze versuchen Terrorakte zu erklären:
Neben psychoanalytischen Vorstellungen vom verletzten Narzissmus der Täter, sind dies vor allem die Rational Choice- sowie die
sozialpsychologische Theorie. Erstere sieht in Terroristen rational Agierende, die das Für und Wider ihres Tuns abwägen. Forschungen der letzten Jahren haben jedoch vermehrt die Identifizierung mit und Selbstaufgabe im Kollektiv als entscheidende Faktoren erkannt." (Quelle:Gehirn und Geist)

Weitere Informationen unter: www.gehirn-und geist.de

 

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