Bei der Aufzeichnung des Deutschen Fernshepreises sorgte Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki für einen Eklat, als er auf der Bühne die Annahme der Auszeichnung mit dem Hinweis ablehnte, dass er in einem solchen Zusammenhang nicht geehrt werden wolle. Das, was sich ihm in den vorangegangenen Stunden dargeboten habe, sei ein solcher Blödsinn, den er nicht durch die Entgegennahme des Preises unterstützen wolle. Das Publikum reagierte verdutzt - und begeistert.
Mit der Ansicht, dass das deutsche Fernsehen zwischen kalorienarmen Pilcherverfilmungen und lustig gemeintem Klamauk laviert und nie an den Innovationsmut
amerikanischer Sender wie HBO herankommt, wird man auf Stehempfängen
kaum gerunzelte Stirnfalten ob der Abwegigkeit des Behaupteten ernten.
Marcel Reich-Ranicki hat nun eben dies getan und die Entgegennahme des Deutschen Fernsehpreises abgelehnt
In einer großartigen Volte durchbrach der Fernsehveteran und
Berufskrawallerist die Veranstaltungsroutine und tat das
Schlimmste, was man auch in den heutigen exhibitionistischen Tagen machen kann: Er nannte des Kaisers neue Kleider beim Namen.
Schlimm sei
das, was er vier Stunden habe erleben müssen, ein ausgemachter Blödsinn
und er wolle sich nicht im Rahmen einer solchem, dem Blödsinn
verpflichteten Veranstaltung geehrt sehen. Vielleicht hätte er dies früher sagen
müssen, räumte Reich-Ranicki ein, jedoch: "Ich habe nicht gewusst, was
mich hier erwartet."
Sämtliche Angstprojektionen werden sich in diesem Moment auf Thomas Gottschalk gerichtet haben, der die Situation jedoch routiniert auffing und den zornigen alten Mann gekonnt von der Bühne moderierte.
In einer sehr persönlichen Stellungnahme schreibt Elke Heidenreich in der FAZ von "hirnlose(r) Scheiße", dass sie sich schäme und sich "stellvertretend
für alle Leidenden an diesen Zuständen, und derer sind auch in diesen
verlotterten Sendern noch viele, bei Marcel Reich-Ranicki für diesen
unwürdigen Abend." entschuldige.
"Während
ich dies schreibe, ist der Zusammenschnitt der Veranstaltung noch nicht
im Fernsehen gelaufen. Ich bin gespannt, wie man sich aus der Affäre
mogelt. Es wird kaum gehen, denn die Radios meldeten schon,
Reich-Ranicki habe einen Eklat verursacht. O nein, das hat er nicht.
Der Eklat war diese ganze grauenvolle Veranstaltung. Reich-Ranicki war
der Lichtblick." (FAZ)
Immerhin hat das ZDF richtig entschieden und strahlt den Eklat unverändert heute abend in der Zusammenfassung aus - nach der Vorberichterstattung sollten die Einschaltzahlen enorm sein.
Am Montag werden erwartbare Artikel erscheinen, in denen man sich einig sein wird, dass die Qualität deutschen Fernsehens unterirdisch sei, dass amerikanisches Fernsehen innovativer sei und die letzte gute Sendung sowieso "Ein Herz und eine Seele" war.
Man fragt sich nur, warum, wenn alle sich so einig sind, es in Deutschland unmöglich ist, gutes, intelligentes oder lustiges Fernsehen zu machen.




Informationen zum Artikel
Kommentarbereich
0 Kommentar(e) zu "Eklat im TV - Reich-Ranicki lehnt Fernsehpreis ab"Kommentare