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25.09.2005, (RK)

In Groß Britannien veröffentlichte die Higher Education Statistics Agency (Hesa) Daten zum Bildungssystem, die Tony Blair in Schwierigkeiten bringen dürften: Der Anteil der Absolventen öffentlicher Schulen, die ein Studium aufnehmen ist auf ein Rekordtief gefallen. Auf ein Rekordhoch gestiegen sind hingegen die Zahl der Studienabbrecher und der Schüler, die dem Unterricht fern bleiben und "blau machen" (play truancy).

Diese Zahlen sind gerade kurz vor dem Parteitag der Liberalen ein Problem für Tony Blair, der zu Beginn seiner Regierungszeit  noch erklärte, dass Bildung den Schwerpunkt seiner Regierung stelle: "My three priorities in government are: education, education, education."

Wie der INDEPENDENT und andere britische Zeitungen in Ihrem Aufmacher am Donnerstag berichteten, ist trotz intensiver Bemühungen der Anteil der Absolventen öffentlicher Schulen mit Studienberechtigung an den Universitäten gesunken.

Viele Universitäten der „Russel Group“, einem Zusammenschluss der 19 führenden Universitäten Groß Britanniens verfehlen die von der Higher Education Statistics Agency (Hesa) vorgegebenen Zielmarken zur Bildungsgerechtigkeit.

John Dunford, Generalsekretär der Schulleitervereinigung (Secondary Heads Association, SHA), sprach von enttäuschenden Zahlen. Schulleiter fordern nun vom kürzlich gegründeten Büro für Bildungsgerechtigkeit, dem Office for Fair Access (Offa) mit Entzug von Studiengangberechtigungen und finanziellen Strafen gegen die Universitäten vorzugehen, die es versäumen, den Anteil der Absolventen öffentlicher Schulen an ihrer Studierendenschaft zu erhöhen: Die Universitäten bedürfen zur Erhöhung ihrer Studiengebühren einer Genehmigung des Offa und sind insofern an die Erreichung der vorgegebenen Ziele gebunden.

Die Hesa-Zahlen berichten zudem von einer zunehmenden Zahl von Studienabbrechern, die bereits in ihrem ersten Jahr die Universität verlassen: im letzten Jahr stieg die Zahl von 7,3 auf 7,8%, wobei v.a. die technischen Studiengänge („engineering and technology“) betroffen waren. Ein interessanter Umstand, wenn man bedenkt, dass in Deutschland insbesondere die Geisteswissenschaften in dem Ruf stehen, eine nicht zielorientierte und daher dem Langzeitstudium bzw. Studienabbruch nahe stehende Klientel zu stellen, hingegen die „harten“ Disziplinen (Wirtschaftswissenschaften, Medizin, Jura und die Ingenieurswissenschaften) eine Studierendenschaft versammeln, die konkrete berufsbiographische Perspektiven verfolgen und insofern eine zielorientiertere Studienplanung (einschließlich zielführender Praktika, Erwerb von Zusatzqualifikationen und Zertifikate) verfolgen und kürzer, schneller und erfolgreicher studieren.

Es werden zwei Gründe angegeben: Eine steigende Anzahl von Studierenden bringen nicht die ausreichenden Qualifikationen wissenschaftlichen Arbeitens mit und haben es schwer, Anschluss zu halten, bzw. ihre Defizite aufzuarbeiten. Studentenvertreter betonen, dass v.a. die Studiengebühren und die damit verbundene Verschuldung v.a. Studierende unterer Schichten dazu führe, ihr Studium aus finanziellen Gründen abzubrechen. Dies wird insbesondere mit Blick auf eine bevorstehende Anhebung der Studiengebühren in groß Britannien als Alarmsignal gewertet.

Bildungsminister Bill Rammell betonte dass der Trend grundsätzlich in die richtige Richtung weise, wenn auch deutlich werde, dass mehr getan werden muss, um die höheren Bildungsgänge allen Schichten zu öffnen.

Eine weitere Zahl aus dem Bildungsbereich, die Anlass zur Sorge gibt, ist die Zahl der "Blaumacher". Jeden Tag bleiben ca. 55.000 Schüler der Schule fern. Obwohl die britische Regierung, die insgesamt in ihren Ausgaben für das Bildungswesen sehr offensiv vorgeht, 885 Mill britische Pfund ausgibt, um die Anwesenheit und die Manieren der Schüler in den Schulen zu verbessern, ist eine Zunahme um ca. 4.500 Schüler pro Tag festzustellen, seit vor zehn Jahren das Blaumachen zum ersten Mal erhoben wurde.

Steve Sinnott, Generalsekretär der Lehrer Vereinigung (National Union of Teachers, NUT) erklärte, dass es v.a. eine kleine Gruppe von Eltern sei, die die Notwendigkeit des Schulbesuchs ihrer Kinder nicht erkennen und durchsetzen. Diese Eltern kämen dabei nicht nur aus unteren Schichten, sondern ebenso aus “besseren Kreisen”.

Lesen Sie Artikel zum Thema in THE INDEPENDENT:

"A Tripple blow for the Government"

"Record numbers of children skip school"

Kommentar „Why Blair is failing at his main subject

"Universities must be made to open their doors wide"

Auch THE TIMES hat einen Schwerpunkt zu den Bildungsdaten. Klicken Sie hier...
Artikel in der TIMES:

"State pupils suffer as private schools take university places"

Übersicht: "Under-Represented groups in higher education" 

"Truancy soars 43% in eight years"

 

Informationen zum Artikel

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