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Doris Lessing: On Not Winning the Nobel Prize

Dieses Bild basiert auf dem Bild Doris Lessing aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Der Urheber des Bildes ist Elya.

Doris Lessing: On Not Winning the Nobel Prize

11.12.2007, (MR)
Die Rede der diesjährigen Literaturnobelpreisträgerin Doris Lessing gibt es inzwischen auch in einer deutschen Übersetzung (von Barbara Christ) auf den Webseiten der Nobelpreisstiftung. In ihrer Rede geht es viel um die Themen Bildung, Lesen, Bücher immer wieder am Beispiel Afrika und Simbabwe.

Ohne viele Worte ein Absatz aus Ihrer Rede:

"Wir sehen hier den großen Bildungshunger in Afrika, überall in der Dritten Welt, oder wie auch immer wir jene Teile der Welt nennen, in denen sich Eltern nach Bildung für ihre Kinder sehnen, die sie der Armut entreißt, die ihnen die Vorteile verschafft, die Bildung mit sich bringt.

Unsere Bildung, die inzwischen so bedroht ist.

Bitte stellen Sie sich vor, Sie sind irgendwo im südlichen Afrika und stehen im Laden eines Inders, in einer armen Gegend, zur Zeit einer schlimmen Dürre. Leute, meistens Frauen, stehen mit allerhand Wasserbehältern in einer Reihe an. Zu diesem Laden kommt jeden Nachmittag ein Tankwagen mit Wasser aus der Stadt, und auf dieses kostbare Wasser warten die Leute.

Der Inder steht hinter dem Tresen, stützt sich mit den Handballen darauf ab und beobachtet eine Schwarze, die sich über einen Block Papier beugt, der aussieht wie aus einem Buch gerissen. Sie liest Anna Karenina.

Sie liest langsam und formt die Worte mit den Lippen. Anscheinend ein schwieriges Buch. Die Frau ist jung und hat zwei kleine Kinder, die sich an ihre Beine klammern. Sie ist schwanger. Der Inder ist bekümmert, denn das Kopftuch der jungen Frau, das eigentlich weiß sein sollte, ist gelb vom Staub. Staub liegt zwischen ihren Brüsten und auf ihren Armen. Der Mann ist bekümmert, weil so viele Leute anstehen, die alle Durst haben, und er nicht genügend Wasser für sie hat. Er ist wütend, weil er weiß, dass Menschen da draußen jenseits der Staubwolken sterben. Sein Bruder, der älter ist, hat im Laden die Stellung gehalten, dann hat er aber gesagt, dass er eine Pause braucht, und ist in die Stadt gefahren, ziemlich krank, wegen der Dürre.

Der Mann ist neugierig. Er sagt zu der jungen Frau: „Was liest du da?“

„Da geht es um Russland“, sagt das Mädchen.

„Weißt du, wo Russland liegt?“ Er weiß es selbst nur ungefähr.

Die junge Frau sieht ihn unverwandt und voller Würde an, obwohl ihre Augen vom Staub gerötet sind: „Ich war Klassenbeste. Meine Lehrerin hat gesagt, ich bin die Beste.“

Die junge Frau liest weiter: Sie will den Absatz zu Ende lesen.

Der Inder schaut die beiden kleinen Kinder an und greift nach einer Fanta, aber die Mutter sagt: „Von Fanta kriegen sie Durst.“

Obwohl der Inder weiß, dass er das nicht tun sollte, greift er nach einem großen Plastikbehälter, der neben ihm hinter dem Tresen steht, und gießt Wasser in zwei Plastikbecher, die er den Kindern reicht. Er sieht zu, wie das Mädchen die Kinder beim Trinken betrachtet und wie sich ihr Mund bewegt. Er gibt ihr einen Becher Wasser. Es tut ihm weh, sie trinken zu sehen, so schrecklichen Durst hat sie.

Nun reicht sie ihm einen Wasserbehälter aus Plastik, und er macht ihn voll. Die junge Frau und die Kinder sehen aufmerksam zu, damit er nichts verschüttet." (Quelle: Doris Lessing)

Ich kann Ihnen die Rede von Doris Lessing nur als Lektüre empfehlen:

 

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