Heute abend zeigt die ARD den Dokumentarfilm "Amok in der Schule", laut Süddeutsche Zeitung, die mit Abstand beste Dokumentation zum Amoklauf von Erfurt. Marcus Jauer schreibt:
"Auf einem Turm inmitten der Stadt Erfurt steht die Kamera und blickt über die Dächer, und dazu liest eine Stimme aus dem Aufsatz, den Robert Steinhäuser einmal am Gutenberg-Gymnasium geschrieben hat, lange bevor er da sechszehn Menschen erschoss und dann sich selbst.
¸¸Ich denke, ich stehe noch am Anfang meines Lebens", schrieb er und dass es nur wichtig sei, wie man sich selber sehe, nicht, wie einen die anderen sähen.
So beginnt der Film von Knut Beulich und Thomas Schadt, und genau so endet er auch. Bei dem, der alles beantworten, aber nichts mehr sagen kann. Der die Erklärungen schuldig bleibt. Darum müssen andere nun nach ihnen suchen.
(...)
Es ist die große Qualität des Films, den Schadt, einer der besten deutschen Dokumentarfilmer, und Beulich, einer der weniger bekannten, gedreht haben, dass sie keine Antwort geben. Sie zeigen die Menschen nur beim Nachdenken. Menschen, die in Robert Steinhäuser einen Wahnsinnigen sehen und seine Tat auf keine Gründe zurückführen, die nicht mit seinem Tod beerdigt worden wären. Sie trauern, und es gibt für sie keinen anderen Schuldigen. Und Menschen, die in ihm keinen Wahnsinnigen sehen und die deshalb finden, man müsse überlegen, welche Umstände zu seiner Tat geführt haben und ob man diese Umstände verändern muss."
"Amok in der Schule", heute in der ARD, 23 Uhr (siehe auch MEDIENTIPPS)
quelle:Süddeutsche Zeitung Nr.92, Mittwoch, den 21. April 2004 , Seite 17
Beachten Sie auch den Artikel "Leben mit dem Massaker" von Christian Stöcker bei SPIEGEL Online.
Beachten Sie zum Thema Amoklauf auch den derzeit in den Kinos angelaufenen Film ELEPHANT von Gus van Zandt.
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