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Diskussion um Lehrer aufgefrischt

Diskussion um Lehrer aufgefrischt

23.02.2009, (MR)

Lehrer haben es nicht leicht in dieser Welt - mal müssen sie für so ziemlich alles herhalten, was in Gesellschaft und Familie schiefgeht, sie sind zu gut bezahlt und haben zu viel Ferien - doch genug der Vorurteile, nach einer Studie des ifo-Instituts sind statistisch gesehen die schlechteren Abiturienten Lehrer geworden - das ist jetzt auch kein richtiges Lob.

Bildungsökonom Ludger Wößmann äußerte sich zur Studie des ifo-Instituts im Deutschlandfunks:

"Ludger Wößmann: Zumindest sehen wir eben, dass ein Großteil der Lehrer Abiturnoten haben, die nicht an den Durchschnitt herankommen wie diejenigen, die nicht den Lehramtsberuf wählen. Das heißt nicht mal nur, dass die in die freie Wirtschaft gehen, es ist zum Teil auch so zum Beispiel, dass Leute mit anderen Staatsexamen, also vor allem im Bereich Jura und im Bereich Medizin, auch sehr ordentliche Noten haben. Da kommen die Lehrer im Durchschnitt nicht ran. Ganz konkret ist es so, dass die Gymnasiallehrer insgesamt eigentlich doch ganz gut abschneiden, die haben einen Durchschnitt von 2,1 in der Abiturnote, das ist so ähnlich wie andere Diplomabsolventen und Staatsexamenabsolventen. Aber die Lehrer im Bereich Grundschule und im Bereich der anderen Sekundarstufe-I-Schulen, da ist der Durchschnitt unter 2,5. Das ist halt wesentlich schlechter als zum Beispiel Diplomabsolventen, die eben auch bei 2,1 liegen, aber es ist sogar auch schlechter als im Durchschnitt die Absolventen mit einem Magisterstudiengang oder einem Diplom an der Fachhochschule, die beide so mehr bei 2,3 liegen." (Quelle: DLF)

Bildungsministerin Schavan kennt die Studie wohl auch und geht anscheinend schon im Vorfeld der Veröffentlichung auf Kurs. So forderte sie nun, das "TOP-Leute" aus Unternehmen für einige Stunden in der Woche in die Schulen gehen. Die Bildungsverbände fangen rein reflexmäßig an zu heulen, von einer sinnvollen Debatte sind wir wie so oft weit entfernt.

Aus meiner Sicht schieben sich hier mehrere Diskussionen ineinander. Gute Leute aus der Wirtschaft in die Schule - in Form einer Partnerschaft oder ähnlichem ist erstmal nicht verkehrt und bringt neue Perspektiven für beide Seiten. Darin jetzt aber das Allheilmittel und vor allem pädagogischen Ersatz zu sehen oder gar die Pensionierungswelle in den Griff zu bekommen, das ist der falsche Ansatz. Es fehlt heutigen Lehrern ja weniger an Fachwissen, denn an pädagogischem Know-How.

Ob die Idee, Bildung noch messbarer zu machen und Erfolg von Lehrern auszuzeichnen der Weg ist? Die Frage ist sicher auch ob man die Studie nicht generell einmal ausweiten sollte - vielleicht ist ja der Lehrerberuf nur eine Facette und der Bereich der Bildung sollte viel genereller untersucht werden. Wie sehen hier die EInstiege aus, mit welchen Gehälterstrukturen wird gearbeitet und wie unterscheidet sich dies zum "Top-Management". Im Vergleich zu vielen (engagierten) und top-ausgebildeten Pädagogen ist der Lehrer ja noch hochdotiert. Und als letzte Frage sei noch nachgeschoben, dass man schauen sollte, was das Abitur eigentlich misst und inwieweit "pädagogische Fähigkeiten" sich je nach Bundesland überhaupt in einem Abitur spiegeln.

Aus meiner Sicht ein erster Schritt, der aber viel mehr Fragen aufwirft, als Verbände und Politik jetzt voreilig als Antworten in die Runde werfen. Bildungsforschung ist einmal mehr notwendig.

 

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