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Digitaler Verzicht - Medienabstinenz?

Digitaler Verzicht - Medienabstinenz?

16.01.2010, (MR)

An verschiedenen Stellen ist mir in den letzten beiden Wochen die Idee der "Medienabstinenz" begegnet - Grund genug auf reticon einmal die ganz unterschiedlichen Ansätze vorzustellen. Während der Kinderkanal Nick als geschickte PR-Aktion seinen Kanal im Sommer einen Tag abschalten möchten, ruft John Mayer zur "One Week Digital Cleanse auf".

Bei Nick halte ich das mehr für eine PR-Aktion - aber sie ist so ungewöhnlich, dass sie eine Erwähnung verdient. Wann ruft schon einmal ein Fernsehsender zum Ausschalten auf:

"Äußerst ungewöhnliche Aktion bei Nick: Der Kindersender hat angekündigt, in diesem Jahr für einen Tag lang sein Programm abzuschalten. Statt der üblichen Sendungen werden die jungen Zuschauer dann lediglich die Aufforderung zu sehen bekommen, sich auch einmal anderen Freizeitbeschäftigungen wie etwa dem Spielen oder Treffen mit Freunden zu widmen." (Quelle: DWDL)

Ähnliche Ansätze bringt der KiKa in seinen Nachtschalten mit "Bernd das Brot", der auch immer mal wieder zum Ausschalten aufruft.

Bei John Mayer geht es weniger um den fernsehfreien Tag als vielmehr um die Selbstbeschränkung bei der Nutzung der "sozialen Netzwerke": One Week Digital Cleanse ist sein Credo.

"Guidelines:

*email only from laptop or desktop computers

*cell phones can only be used to make calls, and no text messages or e-mails are allowed - if you receive a text, you must reply in voice over the phone. E-mails must be returned from a laptop or desktop computer.

*no use of Twitter or any other social networking site - this includes reading as well as posting. *no visiting of any entertainment or gossip sites. (No need to detail which ones - you know what they are.)" (Quelle: John Mayer)

Hier ist die Überlegung eher, dass uns die sozialen Netze immer mehr im Griff haben - manch einer fühlt sich "gedrängt" seinen letzten Status zu ergänzen, noch regelmäßiger zu schreiben, noch mehr Follower zu bekommen - und viele haben gleichzeitig das Problem, dass sie eigentlich weiterhin nicht viel zu erzählen haben.

Und dann gibt es noch eine dritte interessante Initiative, das "Slow Media Manifest". Hier wird weniger zu einem Verzicht auf Medien aufgerufen sondern vielmehr zu einem bewussteren und damit langsameren "Konsumieren" von Medien aufgerufen.

Im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts, den so genannten Nuller-Jahren, haben sich die technologischen Grundlagen der Medienlandschaft tiefgreifend verändert: die wichtigsten Schlagworte lauten: Vernetzung, Internet und soziale Medien. Im zweiten Jahrzehnt wird es weniger darum gehen, neue Technologien zu finden, die das Produzieren von Inhalten noch leichter, schneller und kostengünstiger gestalten. Stattdessen wird es darum gehen, angemessene Reaktionen auf diese Medienrevolution zu entwickeln – sie politisch, kulturell und gesellschaftlich zu integrieren und konstruktiv zu nutzen. Das Konzept “Slow” – Slow wie in Slow Food und nicht wie in Slow Down – ist ein wichtiger Schlüssel hierfür. Analog zu Slow Food geht es bei Slow Media nicht um schnelle Konsumierbarkeit, sondern um Aufmerksamkeit bei der Wahl der Zutaten und um Konzentration in der Zubereitung. Slow Media sind auch einladend und gastfreundlich." (Quelle: Das Slow Media Manifest)

Vielleicht wird daraus ein Thema für 2010 - auf der einen Seite schadet ein "abschalten" nie, erst so wird einem bewusst ob bzw. was einem fehlt. Vielleicht fehlt einem Twitter &Facebook gar nicht oder man bekommt ein genaueres Gefühl dafür, was man an diesen Diensten und Netzen wirklich schätzt.

Das Slow Media Manifest ist dann ein dauerhafter Ansatz - beim ersten Lesen war ich mir nicht sicher, ob es eine große Satire oder ob es wirklich ernst gemeint ist (Monotasking und Prosumenten sind schon sehr gekünstelte Begriffe). Auf der anderen Seite teile ich inhaltlich den Ansatz, dass unser "Multitasking" dazu führt, dass man gewisserweise verlernt, sich einen längeren Zeitraum auf eines zu konzentrieren und "bei der Sache zu bleiben". Gleichzeitig sehe ich aber auch die Vorteile im Multitasking und dem ständigen "Einfliegen von Informationen". Die Kunst besteht hier das Gleichgewicht zu halten und Monotasking und Multitasking zu beherrschen. Nachdem sich die letzten Jahren mehr der Schnelligkeit gewidmet haben, ist nun eine Rückbesinnung auf den langsamen Konsum von Medien sicher nicht verkehrt.

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