Kontakt  Presse  reticon-Redakteure   Impressum   Datenschutz  
reticon Bildung und Neue Medien
reticon - Bildung und Neue Medien

Logo der Zeitschrift Gehirn und Geist (Schriftzug)

Logo Gehirn und Geist

Die Wurzeln der Gewalt - Ursachen der Aggression

15.08.2006, (MR)

Die Zeitschrift Gehirn & Geist (09/06) hat in ihrer aktuellen Ausgabe einen Schwerpunkt zum Thema Gewalt.
"Die Wurzeln der Gewalt: Sie beginnt im Kopf und endet of blutig - Gewalt gegen andere. Psychologen und Hirnforscher fahnden mit neuen Methoden nach den Ursachen der Aggression."

Nachfolgend ein Auszug des Artikels mit freundlicher Genehmigung des Spektrum-Verlags:

"Was macht Menschen zu Gewalttätern?

Hirnveränderungen in Kombination mit negativen psychosozia­len
Einflüssen führen zu körperlicher Aggression.
Anomalien im Gehirn stellen Risikofaktoren für aggressives Verhalten dar, bestätigen die Psychologen Daniel Strüber und Monika Lück sowie der Neurobiologe Gerhard Roth vom Hanse-Wissenschaftskolleg in Delmenhorst in der aktuellen Ausgabe von Gehirn&Geist (Nr. 9/2006).
Gewalttätigkeit entsteht nach Ansicht der Forscher aber in der Regel erst, wenn negative psychosoziale Einflüsse hinzukom­men.
Physische Gewalt ist "Männersache": Mädchen und Frauen sind zwar nicht unbedingt weniger aggressiv. Sie werden jedoch im Ver­gleich zu ihren männlichen Altersgenossen wesentlich seltener handgreiflich. Ihre Aggressionen äußern sich eher indirekt, etwa in Form von sozialer Manipulation wie dem gezielten Spinnen von Intri­gen. Mord, Totschlag, schwere Körperverletzung oder Vergewaltigung dagegen sind fast ausschließlich die Domäne von Männern.
Wie Langzeitstudien belegen, fallen manche chronische Gewalttäter schon im Kindesalter durch andauerndes, antisoziales Verhalten auf. Diese meist männlichen Personen eint eine Handvoll Eigenschaften: Sie sind schnell frustriert, lernen nur schwer soziale Regeln, haben Aufmerksamkeitsprobleme, zeigen wenig Einfühlungsvermögen und besitzen eine unterdurchschnittliche Intelligenz. Am stärksten stechen sie jedoch durch ihr extrem impulsives Verhalten hervor: So lassen sie sich leicht provozieren, geraten schnell in Wut und reagieren ohne nachzudenken. 

Auf eine hirnphysiologische Ursache von übermäßiger Impulsivität deuten verschiedene Studien einer Arbeitsgruppe von der University of Southern California in Los Angeles hin. Adrian Raine und seine Mitarbeiter untersuchten verurteilte Mörder: Bei Affekttäternbeobachteten sie im Stirnhirn eine verringerte Stoffwechselaktivität.
Bei jenen dagegen, die den Mord "eiskalt" geplant hatten, funktionierte das Frontalhirn normal. Zudem gelang es den kalifornischen Forschern sogar solche Gewalttäter ausfindig zu machen und als Ver­suchspersonen zu gewinnen, die ihre Vergehen vorher offenbar so gut durchdacht hatten, dass sie von der Polizei gar nicht überführt worden waren. Auch diese "erfolgreichen Psychopathen", wie Raine sie nennt, wiesen keinerlei Veränderungen im Stirnhirn auf.
Unklar ist allerdings noch, ob bei diesen "kaltblütigen" Verbrechern nicht andere Hirnregionen von der Norm abweichen.
Nach Ansicht vieler Neurowissenschaftler fungiert ein Teil der Großhirnrinde (Cortex) im Stirnhirn als Kontrollinstanz, welche die in limbischen Hirnbereichen entstehenden Gefühle und Impulse im Zaum hält. Wie Beobachtungen an erwachsenen Patienten mit Frontalhirn­schädigung belegen, schlagen sich Defekte in diesen Cortexarealen tatsächlich häufig in erhöhter Reizbarkeit nieder. Zu tätlichen Über­griffen kommt es aber meist nicht.
Hirnanomalien führen vor allem dann zu Gewalt, wenn sie von Kind­heit an bestehen und schwer wiegende psychosoziale Risikofaktoren hinzukommen, folgern die Delmenhorster Forscher in Gehirn&Geist. Diese negativen Umwelteinflüsse konnten Psychologen dank ver­schiedener Studien ebenfalls dingfest machen: Zu ihnen zählen eine massive Störung der frühen Mutter-Kind-Beziehung, Misshandlung und Missbrauch im Kindesalter, inkonsequente Erziehung, aber auch andauernde elterliche Konflikte, Verlust der Familie, elterliche Kriminalität und Armut. Aus diesem Grund fordern Wissenschaftler individuelle Therapien für Straftäter sowie eine gezielte Gewaltprävention schon im Kindesalter. In einem zweiten Beitrag stellt Gehirn&Geist das nach psychologischen Kriterien entwickelte Anti-Aggressions-Training "Faustlos" vor, das mittlerweile auch in verschiedenen deutschen Schulen und Kindergärten erfolgreich eingesetzt wird." Quelle: Gehirn und Geist (09/2006)

 

Informationen zum Artikel

blog comments powered by Disqus

Verwandte Reporte

RSS & Social Media

rss-Bild
rss-Bild
rss-Bild
rss-Bild

myreticon

E-Mail
Passwort Login

myreticon wird zum 30.06.2012 eingestellt, bitte sichern Sie Ihre Daten.

Infos & Hilfe | Registrieren

Kostenlose Newsletter

Wöchentliches Newsletter
Tägliche Medientipps

E-Mail:  

reticon-Quiz

Woher hat der Frosch des Bogens (Streichinstrumente) seinen Namen?
Sie wollen es wissen?
Hier gibt es die Antwort

» Alle reticon Quiz-Fragen

Sprüche & Zitate

Ich kann jene nicht verstehen, die sich vor neuen Ideen fürchten. Es sind die alten Ideen, die mir Angst machen.

John Cage