DER SPIEGEL beschäftigt sich in seiner Print-Ausgabe unter der Überschrift "Langer Anlauf ohne Sprung" mit der Flut von "Vergleichsarbeiten, Bildungsstandards", die deutsche Schüler zu bewältigen haben.
Dank schlechter Pisa-Ergebnisse beschloss die Kultusministerkonferenz "sieben Verbesserungsstrategien [...] - darunter Sprachkurse für Migrantenkinder, mehr Ganztagsschulen und gezielte Leseförderung -, doch konsequent umgesetzt haben sie bislang nur eine einzige: Tests".
Geld für neue Forschungsinstitute ist vorhanden, doch es wird niemanden verwundern, dass sich das zu beklagende Bildungsniveau nicht alleine durch Einführung vergleichender Tests verbessern kann:
"Allein der Forschungsgegenstand selbst dämpft noch die Wissenschaftlereuphorie: >Den Schulen bringt das leider alles nichts<, sagt Pädagoge Tillman" Bielefelder Erziehungswissenschaftler und Mitglied im deutschen Pisa-Konsortium.
Bei Vierjährigen werden die Deutschkenntnisse überprüft, Drittklässler absolvieren "Vera (>Vergleichsarbeiten<)-Tests", neben den internationalen Tests wie "Pisa, Iglu oder Timms" gibt es dann noch "je nach Land Erhebungen". Erster Schritt bzw. Folge dessen: "Die Schulen selbst müssen sich an dem messen lassen, was ihre Schützlinge können."
Sinn all dieser Studien kann es aber doch nur sein, aus den Ergebnissen Konsequenzen zu ziehen und gezielte Fördermaßnahmen an entsprechender Stelle einzuleiten. Dass aber alleine die Einführung eines Rankings nicht ausreicht, zeigen Länder, die schon länger Erfahrung mit der "Erforschung von Bildungserträgen" gemacht haben. Vorbild könnten die Niederlande sein, hier "nehmen die meisten Schulen an Überprüfungen des Zentralen Instituts für Testentwicklung teil. Zugleich hat jede Lehranstalt ein Budget für den sogenannten pädagogischen Begleitdienst, das heißt, die Schulen könne Fachleute anheuern und mit ihnen mögliche Verbesserungstrategien entwickeln."
Die anstehenden Schulrankings führten bisher u.a. dazu, dass im Vorfeld von Vera, "Testaufgaben vorher mit den Schülern trainiert" wurden, um gute Ergebnisse zu erzielen. Das führt solch eine Studie natürlich ad absurdum.
Wünschenswert wäre aus meiner Sicht, dass erst einmal die Länderminister über den Tellerrand ihrer jeweiligen Bundesländer hinausschauen, was im Zuge der Kultusministerkonferenz natürlich schon geschieht, aber wohl auch oft genug an parteipolitischen Rivalitäten scheitert. Darüber hinaus müsste das Bildungs-Rad in Deutschland nicht neu erfunden werden, sondern man könnte sich mehr an anderen vergleichbaren europäischen Ländern orientieren und von deren Erfolgen profitieren.
Zitate aus: DER SPIEGEL Nr. 24/ 11.6.07 S. 136-138; Autorin Julia Koch
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