Harald Staun schreibt in der FAZ einen Brief - stellvertretend für "die Medien" an Frau Kampusch. Zwischen Ironie, Zynismus und Kritik an den Kollegen bzw. dem gesellschaftlichen Interesse an dem Entführungsfall bewegt sich sein Statement.
Er bringt es deutlich auf den Punkt:
Noch ist das Interesse an dem Fall hoch - die BILD bringt beispielsweise heute ein neues "Phantombild", hat den Brief durch einen Psychologen analysieren lassen."Sie hatten gehofft, daß außerhalb Ihres Gefängnisses die Wirklichkeit wartet; jetzt stehen dort Kameras und Reporter. Die Flucht vor ihnen führt Sie erneut in die Isolation. Sie wollen nicht an die Öffentlichkeit, aber Sie haben keine Wahl: Ihre Freiheit heißt Öffentlichkeit. Ihre Geschichte ist unsere Geschichte." (Quelle: FAZ)
Der Rest ist damit beschäftigt das erste Live-Interview zusammenzubekommen. Zeitungen schließen sich zusammen, um gemeinsam den höchsten Betrag für ein Interview bieten zu können. Und sicherlich sind auch die Talkshows von Öffentlich-Rechtlich bis Privat längst am Start.
Das ganze ist reiner Voyeurismus, dargestellt werden soll das Unmenschliche, die Grausamkeit der Gefangenschaft etcpp. - alles natürlich im Dienste des Lesers, der darüber "informiert" werden möchte - sonst würden "die Medien" das nicht machen, natürlich nicht .. ganz bestimmt nicht ...
Und weil das oberste Gebot des Journalisten wie Staun es ironisch schreibt nicht "Du sollst nicht lügen", sondern "Du sollst nicht langweilen" ist, wird nun aus dem wenig Bekannten eine Geschichte gezimmert:
Lesen Sie den ganzen Brief von Harald Staun in der FAZ: Entführungsfall Kampusch - Unsere Neugier ist grenzenlos"Wir machen uns aus den wenigen Details ein Bild, wir machen aus jedem Satz eine Geschichte. „Der Lebensalltag“, schreiben Sie, „fand geregelt statt“ - wir machen daraus eine organisierte Hölle.
Wir machen aus dem Frühstück Fraß und aus der Hausarbeit Sklaverei. Wir lassen unsere Computer Ihr Gesicht ausmalen, bis es uns gefällt, und schreiben darüber „So war es wirklich“ oder „Die ganze Wahrheit“ oder „Die Akte Natascha“." (Quelle: FAZ)
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