Von den drei ??? zu den drei BBB: Zum Abschluss ihres Bachelorstudiums an der Universität Greifswald produzierte eine Studentin ein Hörspiel über "die 3 großen B.s" der Musikgeschichte: Johann Sebastian Bach, Ludwig van Beethoven und Johannes Brahms. Morgen abend ist es beim Radiosender 98,1 zu hören.
„Was zu ihren Lebzeiten nie möglich gewesen wäre, wird im Hörspiel realisiert: das Aufeinandertreffen dieser drei Giganten", erklärt Christin Hofrichter. "Als Repräsentanten dreier verschiedener Musikepochen - Barock, Klassik und Romantik - prägen sie die Musikgeschichte in einem Maße, wie es nur wenige andere Komponisten vor und nach ihnen taten", so die Musikwissenschaftlerin.
Als bereits erfahrene Radiomacherin entschloss sich die 21jährige, Besonderheiten der Komponisten nicht in einem weiteren wissenschaftlichen Text mit Verweisen auf die bereits existierende Literatur zu referieren. Statt dessen "soll das Hörspiel einen möglichst lebendigen Eindruck dieser drei Persönlichkeiten und ihrer Eigenarten vermitteln, soll zeigen worin genau ihre Genialität bestand und die Besonderheiten ihres musikalischen Schaffens beleuchten“, so die angehende Akademikerin.
Einer von zwei Fachbereichen mit Projektbezogenen Abschlussarbeiten
Während des Studiums hatte Hofrichter sich für das Radio begeistert. Bei dem lokalen, weitgehend von Studierenden ehrenamtlich betriebenen Sender 98,1 ist sie mittlerweile zur Musikchefredakteurin aufgestiegen. Daher lag es nahe, auch bei der Abschlussarbeit das Medium zu nutzen.
Dazu ist der Fachbereich Musikwissenschaft / Kirchenmusik an der Universität Greifswald ideal. Hier haben Studierende die Möglichkeit, anstelle einer rein wissenschaftlichen Arbeit auch ein künstlerisches Projekt durchzuführen. So haben in der Vergangenheit Studierende schon Konzerte oder Ausstellungen organisiert.
Wissenschaft im praktischen Vollzug
Dabei sind Hörspiel, Ausstellung oder Konzert immer „nur“ das konkrete Produkt, erklärt Dr. Martin Loeser vom Fachbereich Musikwissenschaft/Kirchenmusik. „Die eigentliche wissenschaftliche Leistung liegt in der musikhistorischen und musikpädagogischen Reflexion, wie der wissenschaftliche Inhalt aufzubereiten ist.“ Auf dem Weg zum Produkt zeigen die Studierenden in ihrem Vorgehen, die im Studium erworbenen Kompetenzen – Analysieren, Ordnen, Bewerten, Darstellen – auf dem Fundament wissenschaftlicher Methoden und Kenntnisse.
Kompetenzorientiert studieren und prüfen
Damit scheint die Universität Greifswald eine Paradeantwort auf die Vorgaben der als Bologna-Reform bekannten Umstellung der Studiengänge gefunden zu haben. Schließlich fordert die Reform einen Schwenk zu kompetenzorientierten Studiengängen und Prüfungsformen. Im Zentrum von Lernen und Prüfen sollen nicht mehr die mnemotechnische Leistungsschau inventarisierten Wissens, sondern die themenbezogene Anwendung im Studium erworbener Kompetenzen stehen.
Neue Abschluss-Projekte
Entsprechend ermutigen Dr. Loeser und seine Kollegen die Studierenden dazu über die Möglichkeiten der traditionellen schriftlichen Abschlussarbeit hinaus zu denken. Das Interesse bei den Studierenden sei groß, erklärt Loeser. „Ein Student hat bereits die Produktion einer CD mit Band als Abschlussprojekt angemeldet. Ein anderer Student will sich in einer anwendungsbezogenen Abschlussarbeit mit der emotionalen Wahrnehmung von Musik beschäftigen – ein Thema dass für Marketing und Corporate Branding bedeutsam ist.“
Wissenschaft kommt nicht zu kurz
Auch im Studiengang selbst sind bereits arbeitsmarktbezogene Elemente enthalten: Ein neues Modul im Studiengang bietet Veranstaltungen zum „Schreiben über Musik“ oder „Kulturmanagement“. Dabei kommt die Theorie und das wissenschaftliche Fundament nicht zu kurz: so stehen weiterhin Komposition, Musiktheorie und -geschichte auf dem Studienplan.
Ohne Fußnoten geht es nicht
Entsprechend gibt es den Abschluss auch nicht ganz ohne Fußnoten und Literaturverzeichnis: Begleitend zum Vorhaben entwickelte Christin Hofrichter ein wissenschaftlich unterlegtes Konzept. Bis Mitte Juli muss das fünfzehnseitige Papier vorlegen. Im Anschluss gilt es noch einige Prüfungen zu bestehen, bevor Hofrichter sich Bachelor of Arts nennen darf.
Nach dem Studium zieht es die Nachwuchsjournalistin nach Berlin "Denn da geht medientechnisch mehr." Einige Bewerbungen für Volontariate sind schon verschickt. Mit der klingenden Visitenkarte ihres Hörspiels dürfte sie nicht allzu lange auf der Suche bleiben.
Das Hörspiel kann am Mittwoch, 30. Juni um 20 Uhr im Livestream von 98,1 angehört werden: www.98eins.de
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