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Die ARD, das Putininterview und redaktionelle Kürzungen

Die ARD, das Putininterview und redaktionelle Kürzungen

01.09.2008, (MR)

In der "Blogsphäre" kocht seit dem Wochenende etwas hoch, das anschaulich zeigt, wie die heutige Medienwelt funktioniert und dass Leser ab und an eine Rolle spielen können. Ausgangspunkt ist das Interview der ARD von Thomas Roth mit Mr. Putin, das die ARD redaktionell kürzte.

Nun wird man zu Recht sagen: "Na und", redaktionelle Kürzungen sind doch nichts weltbewegendes, schließlich ist es doch gerade der Job von Journalisten Informationen aufzubereiten und uns aus 30 Minuten Interview eine sinnvolle Zusammenfassung zu bringen.

Auf der anderen Seite ist der heutige Fernsehzuschauer in die Lage versetzt recht schnell an "Alternativinformationen" heranzukommen. Im "Fall" des Putin-Interviews sendete das russische Fernsehen das ganze (?) oder zumindest einen deutlich längeren Teil des Interviews. Das landete bei Youtube, kurz darauf gab es das erste Transkript und ein wenig später die Übersicht, welche Teile die ARD sich denn gespart hat.

Setzt man das dann mit dem Folgeprogramm der ARD in Beziehung ergeben sich zumindest kritische Nachfragen. So wurde das 27 Minuten Putin-Interview auf 10 Minuten gekürzt - im Anschluss gab es 5 Stunden US-Wahlkampf.

Schaut man dann noch in die redaktionelle Bearbeitung des Interviews sind sich viele einig, dass interessante (und kritische) Aspekte unter den Tisch fielen - das geht nicht zu Lasten von Thomas Roth. Putin wird damit nicht sympathischer, aber es wird nochmals deutlicher mit welch zweifelhafter "Moral" "wir" hier auf den Konflikt blicken und wie wir Maßstäbe an Russland legen, die hier kaum ein Politiker/Journalist an die USA legen würde. "Besser" wird dadurch weder die Position der USA noch die von Russland.

Weiter möchte ich mich nicht auf das politische Parkett wagen - schließlich ist das kein reticon-Thema, spannend bleibt aber die Beobachtung, dass eine solche Diskussion ohne dieses Internet-Dings vor 10 Jahren kaum in Gang gekommen wäre (ohne jetzt Blogs und ihre Relevanz thematisieren zu wollen).

Interessant ist aber auch, dass Thomas Roth wohl als Reaktion auf die Diskussion ein Statement auf tagesschau.de gibt und sich vehement gegen den "Zensur-Vorwurf" wehrt. Ich denke ein Zensur-Vorwurf ist auch weniger angebracht - Thomas Roth war im Sonntas-Presseclub so ziemlich der einzige, der einige unbequeme Wahrheiten gegenüber der klassischen "West-Position" sagte und differenziert zur russischen Position Stellung bezog. Der WDR bringt jetzt am 02. September (sprich morgen) um 6:20 Uhr das komplette Interview incl. einem Transkript - am 04. September (13:00 Uhr) gibt es einen Chat zum Thema mit Thomas Roth bei tagesschau.de.

 

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