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DGB: Schlechte Chancen auf dem Arbeitsmarkt für Abiturienten

13.10.2009, (MR)

Der DGB hat in einer eigenen Sonderauswertung die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf den Arbeitsmarkt vor allem im Hinblick auf den Schulabschluss ausgewertet. Auf den ersten Blick mag es erstaunen, dass in der aktuellen Krise die Chancen für Abiturienten stärker gesunken sind als im Vergleich zu anderen Schulabschlüssen.

"Abiturienten haben derzeit besonders schlechte Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Dies hat eine DGB-Sonderauswertung der offiziellen Arbeitsmarktstatistik ergeben. Demnach liegt die Zahl der Menschen mit Fach- und Hochschulreife, die einen Job suchen, um fast ein Viertel höher als im Vorjahr. Bei Personen mit Hausptschulabschluss oder Mittlerer Reife fiel der Zuwachs geringer aus (10,8 bzw. 5,4 Prozent)." (Quelle: DGB)

Im klassischen Modell geht man davon aus, dass ein Abitur den Weg zur hochqualifizierten Berufsausbildung/Studium ebnet und man im Anschluss im späteren Job auch in Krisenzeiten (zumindest statistisch) sicherer lebt. Je schlechter der Schulabschluss, desto geringer qualifiziert im späteren Berufsleben und desto höher das Risiko, dass man zu denjenigen gehört, von denen sich ein Unternehmen in Krisenzeiten als erstes trennt. Nach den Zahlen der DGB-Studie nimmt die Krise (bisher) zumindest einen anderen Verlauf. Es sind erstaunlicherweise die Abiturienten, die mehr von der Krise betroffen sind als die Geringqualifizierten.

So folgert der DGB dann etwas kunterbunt:

"Ein hohes formales Bildungsniveau schützt längst nicht immer vor Arbeitslosigkeit und teils auch nicht vor Armut. Hartz IV-Empfänger dürfen keinesfalls immer mit geringqualifizierten
Langzeitarbeitslosen gleich gesetzt werden. Gut 200.000 arbeitslose Hartz IV-Empfänger
haben immerhin Abitur oder einen vergleichbaren Abschluss. In keiner anderen
Personengruppe ist die Hilfebedürftigkeit so stark gestiegen wie bei jenen mit höherem
Bildungsabschluss. Besonders betroffen sind dabei in Ost und West die Altersgruppen der
25- bis 34-Jährigen. Dies gilt für das Hartz IV-System wie die Arbeitslosenversicherung
gleichermaßen. " (Quelle: DGB)

Noch ist die Krise nicht ausgestanden - schauen wir die Zahlen in 12 Monaten noch einmal an, vielleicht ergeben sich dann neue Interpretationsmöglichkeiten. Zum jetzigen Zeitpunkt sind die Zahlen mit Sicherheit interessant. Unser Sozialsystem ist anscheinend deutlich durchlässiger als das Schulsystem. Die Ergebnisse als Anlass zu sehen, auf Abitur und Studium zu verzichten, dürfte aber der falsche Weg sein (fordert bisher keiner, könnte aber ja auch eine Interpretation sein).

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