Die ewigen Klickstrecken in den Onlineangeboten unserer großen Verlage ärgern nicht nur mich jeden Tag. Hier fühlt man sich als Leser denn meist nicht mehr ernst genommen sondern ist nur noch das Klickvieh für die nächste IVW-Zählung. Die Unsitte ist gerade wieder einmal schön bei WeltOnline zu bewundern.
Dort wird sehr gut aufgezeigt, dass man auch die sinnloseste Klickstrecke recyclen kann, doch der Reihe nach.
Vor einer Woche gab es bei der WeltOnline einen ziemlich dürftigen Artikel über den "großen Gehaltsvergleich". 305 Berufe wurden miteinander verglichen, aufgelistet wurde jeweils das Einstiegsgehalt und danach der Verdienst nach fünf Jahren.
Der Artikel selbst bietet kaum Text, von einer Quellenangabe ist weit und breit nichts zu sehen. Unter dem Artikel gibt es eine kurze Tabelle mit 6 ausgewählten Berufen, darunter so wunderbares wie den Zupfinstrumentenbauer. Der Rest der 305 Berufe versteckt sich in einer Klickstrecke, hier darf immer schön mit "weiter" eins nach vorne geblättert werden. Jede Seite besteht aus der Berufsbezeichnung und zwei Zahlen, keine Sortierung, kein Anspringen der Berufe.
Unter dem Artikel gibt es schon jede Menge Kommentare, die die Sinnlosigkeit des Artikels selbst und vor allem der Klickstrecke aufzeigen - doch das juckt den echten Online-Journalisten nicht, so etwas muss noch einmal verwendet werden - und da ist man meist nicht kleinlich.
Und so fand sich denn auch heute direkt die nächste Möglichkeit - Aufhänger war die EU-Studie, dass Frauen gerade in Deutschland weniger verdienen als Männer. Jetzt fragen Sie sich, was das mit Einstiegsgehältern zu tun hat? Ja ok, eigentlich nichts, aber es geht doch um's Gehalt und da hat man bei WeltOnline sicherheitshalber nochmal die Klickstrecke dazugepackt, auch auf die Gefahr hin, dass mancher verwirrt ist, der den Artikel nur überfliegt und denkt die Zahlen würden jetzt die Gehaltsunterschiede beispielsweise männlicher und weiblicher Architekten widerspiegeln.
Aber egal - wenn ich solche Klickstrecken sehe, die in Bilderform meist noch sinnloser daherkommen, wünsche ich den Verlagen insgeheim die Pest an den Hals, da hätte ich manchmal nichts dagegen, dass ihnen ihr Anzeigengeschäft völlig einbricht, keiner ihre Printprodukte kaufen mag und sie online endgültig vor die Wand fahren.
Aber nur im ersten Augenblick, denn das schöne am Online-Leben ist, dass mich keiner zwingt den Schmarrn zu lesen und ich einfach wegklicken kann.
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