Ein tschechisches Kernkraftwerk nahe der österreichischen Grenze erlebt einen Störfall von bislang ungesehenem Ausmaß. Die österreichischen Krisenstäbe lösen Strahlenalarm aus. Die Behörden reagieren professionell und sind doch mit einer Katastrophe konfrontiert, der man in keiner Übung gerecht werden kann. Es wird von der Wetterlage abhängen, wo die aufziehende Gewitterfront ihre hochkonzentrierte Radioaktivität abregnet.
Medientipp: Das Szenario von Andreas Prochaskas beklemmenden Spiefilm aus dem Jahr 2009 gewinnt vor dem Hintergrund der Katastrophe von Fukushima besondere Qualität. Katastrophen finden für den westeuropäischen Fernsehzuschauer immer "da unten" statt: Tsunami in Thailand, Erdbeben in Chile oder Iran, Hunger, Bürgerkrieg in Afrika. Katastrophe ist immer woanders und schwappt lediglich als Sondersendung und Stresstest für die Irritationstoleranz des Fersehzuschauers, der seine Lieblingssendung verschoben oder gar abgesetzt sieht, an das Ufer unserer Wahrnehmung.
Dabei: In Europa sind 93 Atomkraftwerke mit 196 Reaktorblöcken am Netz. Fast sechzig davon stehen in Frankreich. Was würde geschehen, wenn ein Störfall dort vorkäme? Wie sähe Strahlenalarm in Freiburg, Karlsruhe, Mannheim aus? Wie liefe eine Dekontamination und Evakuierung der Bevölkerung von Frankfurt, Mainz, Stuttgart ab?
Einen Eindruck davon vermittelt der äußerst sehenswerte Film. Ohne reißerisch zu sein zeigt er in quasi dokumentarischen Ton, wie die Routine des behördlichen Katastrophenmanagements arbeitet, ohne das die Eskalation aufgehalten werden kann: Alle Verhaltensprotokolle und Ablaufroutinen sind dem Unbeschreiblichen nicht gewachsen. Sie suggerieren Ruhe, Vertrauen und Beherrschung, wo keine Kontrolle mehr zu gewinnen ist, sondern lediglich der Rückzug jenseits eines Radius bleibt, der den Preis der Gier und der Unbelehrbarkeit des Menschen beschreibt.
Der Film ist in der Online-Videothek von ARTE eine Woche lang zu sehen.
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