Nachfolgende Meldung geben wir mit freundlicher Genehmigung von
Gehirn&Geist wieder, nähere Informationen erhalten Sie unter http://www.gehirn-und-geist.de
"Warum können sich einige Menschen vor originellen Einfällen kaum
retten, während andere nur selten Geistesblitze haben? Wie das
Wissenschaftsmagazin Gehirn & Geist in seiner aktuellen Ausgabe
(4/2004) berichtet, haben Forscher in den letzten Jahren einige der
Regeln aufgedeckt, denen kreatives Denken gehorcht. Die gute Nachricht
lautet: Schöpferisches Denken lässt sich fördern und trainieren!
Dazu tragen schon einige ganz simpel erscheinende Dinge bei: Neugier,
der Wille zu staunen, der Mut, geistige Mauern einzureißen und der
feste Glaube an die eigenen Fähigkeiten. Gerade im mangelnden
Selbstvertrauen sieht Steven M. Smith, einer der Mitgründer der
Creative Cognition Research Group an der Texas A&M University,
eines der größten Hindernisse: "Wir tendieren dazu zu glauben, dass nur
eine Handvoll Genies überhaupt in der Lage ist, wichtige kreative
Beiträge zu erbringen - aber das stimmt nicht!" Auch erfordert
schöpferisches Denken keinen ungewöhnlich hohen Intelligenzquotienten.
Bei Problemen, die unkonventionelle Lösungen erfordern, hilft ein
Rekord-IQ meist nicht weiter.
Der amerikanische Psychologe Joy Paul Guilford entwickelte vor rund
sechzig Jahren ein Modell des menschlichen Verstandes, das die moderne
Kreativitätsforschung begründete. Darin unterschied er zwei Arten von
Denken: konvergentes und divergentes. Ersteres sucht die einzig
richtige Lösung eines Problems, etwa bei mathematischen Knobelaufgaben,
und steht im Fokus von IQ-Tests. Divergentes Denken hingegen produziert
viele verschiedene mögliche Lösungen. Und hier liegt die Stärke von
Kreativlingen - ihr Geist überwindet vorhandene Denkschemata und
wandelt auf neuen Wegen.
Heute wissen Hirnforscher, dass diese unterschiedlichen Denkweisen auch
in verschiedenen Hirnregionen ablaufen. Das zeigt sich vor allem bei
Patienten, die auf Grund von Schädigungen ihres Gehirns entweder
ungewöhnliche schöpferische Talente entwickeln oder aber sie verloren
haben. So büßen Schlaganfallopfer bei einem Ausfall der rechten
Hirnhälfte neben ihrem Körpergefühl und der räumlichen Orientierung
auch ihre schöpferischen Begabungen ein - sei es in der Malerei, Musik
oder Dichtkunst. Denn während die linke Hemisphäre auf konvergente
Prozesse spezialisiert ist, brilliert die rechte Hirnhälfte auf dem
Gebiet des divergenten Denkens. Sie überblickt die abstrakten und
übergeordneten Zusammenhänge, ist einfallsreicher, fantasievoller und
intuitiver.
Doch warum sprudeln dann nicht bei allen die Menschen die
Geistesblitze? Schließlich besitzt doch jeder von uns eine rechte
Hirnhälfte! Im Kindesalter kennt die schöpferische Kraft tatsächlich
noch kaum Grenzen. Doch mit dem Heranwachsen verkümmert diese Fähigkeit
oft. In Schule und Beruf sind fast nur noch die Qualitäten des linken
Gehirns gefragt - Aufgaben müssen richtig, aber nicht unbedingt kreativ
gelöst werden.
Gegen diesen Trend richtet sich das Kreativschulkonzept des Leipziger
Professors Hans-Georg Mehlhorn. Das Ziel ist, eine anregungsreiche
Umwelt zu schaffen und das anschauliche Denken zu fördern. Singen,
Tanzen, Basteln, Theater und Schach ergänzen an diesen Kindergärten und
Schulen das normale Programm. Mit Erfolg: Die schulischen Leistungen
liegen über dem Durchschnitt, die Kinder sind verantwortungsbewusster,
toleranter und können sich besser konzentrieren als Gleichaltrige."
(quelle: Presseinformation Gehirn&Geist 4/2004)
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