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Bild: Clix/www.sxc.hu

Copy&Paste Journalismus

31.01.2011, (MR)

Die meisten von uns haben sich ja schon daran gewöhnt: Ein Großteil des "Journalismus" unserer Tage ist das Aufgreifen von (kostenlosen) Pressemitteilungen, die ein wenig von den Newsagenturen aufgepeppt werden, das wird ein wenig durch die Online-Redaktion gedreht und fertig ist die Meldung.

Eigentlich ist es mir fast schon zu doof immer wieder darauf hinzuweisen und die Zeit zu schade - auf der anderen Seite möchten die Verleger vielleicht ja auch mal wieder wissen, warum ich für irgendwelche "Zeitungs-Apps" auf diesem Level kein Geld ausgeben möchte.

Daher nur ganz kurz - ein Beispiel skizziert:

Die Zeitschrift "Forschung und Lehre" gibt heute eine Pressemitteilung heraus und verweist dabei auf die aktuell erscheinende erste Ausgabe des Jahres 2011. Als Aufmacher dient der ausführliche Hinweis auf einen Artikel über eine Studie "EU-Migration: "Vier von fünf Auswanderern kehren nach Deutschland zurück" ist die Headline der Pressemitteilung.

Nun setzt anscheinend deutschlandweit reflexhaft das Wiederzukäuen in den Online-Medien ein. Der Presseverteiler wird bedient, dpa scheint eine Meldung dazu zu machen - die Redaktionen fangen an zu wiederkäuen.

Die Kreativität besteht darin eine möglichst originelle Headline zu finden und ein hübsches Bild dazu (Symbolbild oder Konny Reimann, den kennen dann wohl die meisten). Danach werden die schönsten Sätze aus der Pressemitteilung rüberkopiert, vielleicht noch einmal ein Satz umgestellt und dann noch der blöde Konjunktiv am Ende in schöne gerade Sätze gepackt.

Die Zeitschrift "Forschung und Lehre" hat natürlich keiner gelesen, die Studie, über die dort berichtet wird, ganz sicher niemand. Irgendein Link darf auf gar keinen Fall gesetzt werden, denn Links sind im Online-Journalismus Teufelszeug.
Nachher informiert sich der Leser selbst weiter und macht vielleicht sogar das, was der Online-Journalist (aus welchen Gründen auch immer) nicht getan hat.
Man könnte auf Forschung&Lehre verlinken oder das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, vielleicht sogar direkt auf das Forschungsprojekt "Internationale Migration von Deutschen".
Im schlimmsten Fall müsste man sogar mal mit den in der Pressemitteilung genannten Forschern sprechen - nicht dass die dem Artikel zugrundeliegenden Daten schon in ihrem Buch "Auswanderung aus Deutschland" im Juni 2010 behandelt wurden (das macht das Thema sicher nicht uninteressant, aber rechtfertigt das die Meldungswelle - auch kritisch die dpa hinterfragt?). Wer Lust hat kann z.B. nach "122.000" in dem Buch suchen (Amazons "Blick ins Buch" macht's möglich) - nein keine Angst, da steht nicht 1:1 die Pressemitteilung, aber das Zahlenmaterial ist schön zu sehen.

So - wer Lust hat, die schönsten Meldungen gesammelt:

Was bleibt?

Ich habe ja nichts gegen das Weiterverbreiten von Nachrichten - aber die meisten erwecken hier den Anschein als finde "redaktionelle Arbeit" statt. Gebt den Rechnern noch etwas Zeit, dann macht das ein Algorithmus. Auf reticon wäre uns das vermutlich auch eine Meldung wert gewesen (ja - das meiste hier ist auch nur der Verweis auf den Verweis). Aber ich finde es deutlich entspannter einfach ehrlich zu sagen: Hier ist eine Pressemitteilung reingekommen, nein wir kennen das Original und die Quelle auch nicht, aber wir setzen wenigstens die Links, dass sich ein Interessierter zur Quelle begeben kann.

(Das Traurige ist ja auch, dass Online bei Forschung Lehre noch einiges mehr zum Artikel steht als in der Pressemitteilung - hat vermutlich keiner gelesen, darf man eh nicht 1:1 kopieren).

 

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