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Computereinsatz an Schulen

Computereinsatz an Schulen

04.01.2008, (MR) (RK)
Die Initiative "IT-Fitness" hat durch Forsa Anfang Dezember 2007 eine Umfrage unter Schülerinnen und Schülern in Deutschland durchgeführt, die den Computereinsatz im Unterricht analysiert. Fazit ist, dass zwei Drittel kaum im Unterricht mit dem Computer arbeiten.

Am häufigsten wird der Computer im Fach Informatik eingesetzt, die anderen (zuerst naturwissenschaftlichen) Fächer folgen mit deutlichem Abstand. Die Computerkenntnisse der Lehrer werden eher durchschnittlich bewertet (nur einzelne Ausreißer nach oben und unten) - dabei werden die jüngeren Lehrer als "fitter" eingeschätzt. Computerkenntnisse werden als sehr wichtig bzw. wichtig für die eigene berufliche Zukunft eingeschätzt (zusammen 87 Prozent). Dabei werden diese Kenntnisse allerdings erst an vierter Stelle durch die Schule vermittelt - Selbstlernen, Freunde und Eltern stehen deutlich im Vordergrund.

"Wir müssen Schulen und insbesondere Lehrer dabei unterstützen, den Computer sinnvoll im Unterricht einzusetzen. Das darf weder an mangelnder Ausstattung von Klassenzimmern noch an nicht ausreichender Aus- und Fortbildung der Lehrer scheitern. Deshalb stellt die Initiative IT-Fitness Schulen unter anderem Unterrichtsmaterialien zur Verfügung und bietet Lehrerworkshops an", erläutert Achim Berg." (Quelle: IT-Fitness)

So schön die Umfrage ist - es gibt von unserer Seite einige (kritische) Anmerkungen.
Vorneweg hat natürlich die Initiative ein Eigeninteresse: Microsoft ist der Hauptsponsor der Initiative - in diesem Sinne ist die Umfrage natürlich ein PR-Instrument und keine wissenschaftliche Analyse.

Gleichzeitig werden die Ergebnisse mit markigen Worten verkauft. Der Satz "Im Auftrag der Initiative IT-Fitness hat Forsa eine repräsentative Befragung zu den IT-Kenntnissen von Schülern und Lehrern durchgeführt." klingt zwar gut, ob aber durch die Befragung von 1.000 Schülern wirklich die IT-Kenntnisse der Lehrer erhoben werden?

Auch wird behauptet, dass es sich um eine "repräsentative Studie" handelt. 1.001 Befragte hört sich ja auch gut an. Wenn dann in den Auswertungen aber nicht nach Schulform/Bundesland etc. aufgeschlüsselt wird, bleibt es eine Glaubensfrage, inwiefern diese Studie repräsentativ ist. Der Statistiker fragt immer sofort "repräsentativ" in Bezug auf welche Gesamtheit?

Und hier ergibt sich dann auch der Schwenk zu den Inhalten: Was ist IT-Fitness? Was sollte ein Lehrer können? Was versteht ein im Rahmen der Studie befragter Schüler unter IT-Kompetenz? Word starten? Powerpoint bedienen? Oder Informationen mit Computer (und Internet) zusammenstellen, aufbereiten, strukturieren und bewerten?

Der Titel der Studie impliziert, dass es "zu wenig Computereinsatz an Schulen" gebe. Die erhobenen Zahlen (36% zwei Stunden, 35% mehr als zwei Stunden) geben also ungefähren Aufschluss über das Verständnis der Macher der Studie über das, was angemessener oder ausreichender Einsatz von Computern in Schulen wäre.

Wie viel Computereinsatz, in welchen Schulformen, in welchen Fächern und v.a. auf welche Weise gilt als Maß aller Dinge? Es besteht ja ein deutlicher Unterschied ob etwa im Geschichtsunterricht, zum Thema "Imperialismus" eine Powerpointpräsentation vorgeführt, eine CD-Rom aus dem Landesmedienzentrum ausprobiert oder ein vom Lehrer vorbereiteter WebQuest (http://de.wikipedia.org/wiki/WebQuest durchgeführt wird!

Darauf geben weder die Studie noch die begleitenden Webseiten eine Antwort. Schaut man sich die Materialien der "IT-Fitness-Box" für Lehrer an, dann gibt es dort eine "nette" Unterrichtsstunde, mit der man auf den IT-Anteil in verschiedenen Berufen hinweisen kann. Wie (und ob) man jetzt allerdings im Deutschunterricht dauerhaft den PC im Unterricht verankert, darauf gibt es (wie so oft) keine Antwort.

Dass Schüler ihre Hausaufgaben in Word tippen, statt ins Heft, kann es ja nicht sein. Wie so oft fehlt es an pädagogisch-didaktischen Konzepten und Einsatzszenarien. Die Pauschalbehauptung, dass der Computer "zu wenig" eingesetzt werde, hilft allein nicht viel weiter.

Auch der IT-Fitness-Test hebt v.a. auf die Technik und das "Drumherum" ab: "Beim IT-Fitness-Test dreht sich alles um Ihre Computerkenntnisse. Aufgeteilt in die Teilbereiche PC-Grundlagen & Betriebssystem, Internet & E-Mail und Textverarbeitung & Tabellenkalkulation beantworten Sie insgesamt 42 Fragen." - das ist nett, mehr aber auch nicht. Computereinsatz in der Schule verlangt schon mehr.

Weitere Informationen unter: www.it-fitness.de

WebQuest Generatoren bei Lehrer Online
http://www.lehrer-online.de/werkzeuge-webquest-generatoren.php?sid=57749353627712489319264736473610 Zum Thema auch: "Schulen - nicht unbedingt ans Netz" von Max Goldt
http://home.snafu.de/think/goldt/heu/0008_intern.htm aus: Der Krapfen auf dem Sims

Ralf Kellershohn / Martin Ragg für reticon

 

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