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Busy Girl - Barbie macht Karriere

01.09.2007, (RK)

Das Gegenteil von gut ist gut gemeint. In der lieblos gestalteten Ausstellung "Busy Girl - Barbie macht Karriere" präsentiert das Kölner Stadtmuseum in zwei Räumen auf mit weißem Papier umwickelten Europaletten eine überschaubare Menge an ... nun ja ... Barbies. Auf den begleitenden Tafeln wird die Entwicklung der Spielzeugfigur mit der Rolle der Frau seit den 50er Jahren parallelisiert und - siehe da: "Zeitzeugnisse belegen, wie die Puppe die jeweilige Epoche perfekt widerspiegelt." Tonnerwetter!

Die beiden Ausstellungsmacherinnen, beide eingefleischte Barbie-Sammlerinnen, überzeugten die Verantwortlichen des Kölner Stadtmuseums, dass sich anhand der Entwicklung der Barbie-Puppen gesellschaftspolitische Entwicklungen ablesen ließen, die  aus Barbie mehr machten, als nur ein Spielzeug. Im Stile von Mittelstufen-Referatsverschriftlichungen referieren die begleitenden Texttafeln brav die Entwicklungen der Berufsrolle der Frau von den 50er Jahren bis heute und fügen die in den jeweiligen Perioden ebenfalls stattfindenden "Innovationen" des Hauses Mattel ("Volleyball-Barbie" betritt die Szenerie!) hinzu.

Geradezu rührend ist die auf einer offensichtlich aus dem Eingangsfoyer einer Gesamtschule entliehenen Schautafel im optischen Stil des aus den 80ern bekannten Senso Spielzeugs  dargestellte Zuordnung von Dispositionen und Charaktertypologien zu bestimmten Hirnarealen, um den Bogen von den Barbies über die Rolle der Frau im Beruf zu (wir sind hier ja schließlich im Museum, also muss Wissenschaftliches her) grundlegenden, hirnphysiologischen Aspekten der Berufswahl herzustellen.

Stewardess-Barbie ist Stewardess-Barbie und nicht Paläontologen-Barbie

Die These, dass die Barbiepuppen eine plane und unspezifische Fläche für Interpretationen im Kinderspiel bieten, wirkt verwunderlich angesichts der überbordenden, die jeweiligen Figuren sehr genau definierenden Accessoires: Stewardess-Barbie ist eben Stewardess-Barbie und nicht Paläontologen-Barbie. Auch der Umstand, dass Kinder mit den Barbie-Puppen im Rollenspiel die Erwachsenenwelt nachahmen, um nicht zu sagen: explorativ sich erobern können, mag nicht falsch sein, bietet jedoch einen Erkenntnisgewinn, der nur knapp oberhalb von Einsichten liegt, dass man Wein auf Bier rate, die Mieten in London  und München wahnsinnig teuer sind und Jungs und Mädels doch irgendwie unterschiedlich seien.

Barbie als "Vorbild und Zeugin der rasanten beruflichen Entwicklung der Frau in den letzten vier Jahrzehnten, die mal als Modedesignerin mal als Astronautin fungiert", zu interpretieren, ist sicher legitim (auch wenn hier der näherliegende Gedanke ausgeblendet wird, dass weniger ein pädagogisches sondern ein wirtschaftliches Interesse eines Spielzeugkonzerns wirkt, der über immer neue Modelle und Zubehör seinen Gewinn erwirtschaftet), aber als kuratorisches Konzept dann doch etwas kalorienarm.

Da die Ausstellungsmacherinnen jedoch von Haus aus v.a. Sammlerinnen sind, ist die Abwesenheit eines über die triviale Feststellung, dass sich der Zeitgeist in den Spielzeugfiguren widerspiegelt, hinausgehenden Zugriffs, nicht überraschend.
Jedoch fragt man sich, was eine Kollektion, wie sie auf jeder Barbie-Sammler-Messe zu finden ist, in einem Museum zu suchen hat. Man wartet förmlich gespannt auf die Ausstellung "Playmobil im Wandel der Zeit", "Porzellan-Harlekins als Spiegel des Zeitgeistes" oder "Frauenmode im Wandel der Zeit" - spiegeln diese nicht auch den Wandel der Rolle der Frau in der Gesellschaft unter Einbeziehung der Natur in die Umwelt unter besonderer Berücksichtigung des Karnevalsgedanken wider, möchte man mit Loriots "Ödipussi" fragen?

Das Genöle, dass "angesichts leerer Kassen" die Kultur zu leiden habe, war an diesem Abend fehl am Platz. Schließlich war keine Kultur zu besichtigen, die mangels finanzieller Unterstützung Schaden genommen hätte.

Die Ausstellung ist bis zum 28. Oktober im Kölner Stadtmuseum zu besichtigen:

Öffnungszeiten: Mi-So 11 - 17 Uhr, Di 10 - 20 Uhr, Mo geschlossen
Eintritt: Tagesticket: 4,20 Euro, ermäßigt 2,60 Euro

 

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