Ein schönes Experiment findet sich mit dem "Web 2,0-Buch" Senghor On The Rocks. Christoph Bendas Roman kommt als Webseite in Buchform daher und bietet neben dem Text eine Integration von Google Maps. Neben der rein geographischen Darstellung, die die Romanhandlung zusätzlich auf der Karte visualisiert, wird auch die zeitliche Ebene mit abgebildet und man bekommt eine dynamische Darstellung der Bewegungen aus dem Roman auf der Karte dargestellt:
"Für den online Roman SENGHOR ON THE ROCKS wurden erstmals alle Handlungselemente eines literarischen Textes mit geografischen und zeitlichen Koordinaten versehen und so im chronologischen Verlauf auf einer Karte darstellbar gemacht. Auf Basis von Google Maps wird parallel zu jeder Szene des Textes deren Handlungsort als exakte geografische Position bzw. jede Bewegung als animierte „Fahrt“ auf der Karte dargestellt. Der Leser des virtuellen Buches erlebt die geschilderte Handlung als „Reise über die Landkarte“ und gewinnt über diese visuelle Ebene einen völlig neuen Zugang zum Text." (Quelle: senghorontherocks.net)
Die Darstellung ist dabei eine interessante Mischung. Die Webseite zeigt sich wirklich als Buchdarstellung und folgt damit auch dem optischen Element Buchseite. Für den "Webaffinen" ist das erstmal eine ungewöhnliche Darstellung. Die Webseite wird wirklich "seitenweise durchblättert", für die Textdarstellung wird dabei jedoch meist nur die rechte Seite genutzt. Links findet die Google-Maps-Karte ihren Platz, die zusätzlich auch Animationen enthält und dabei die Bewegungen von Figuren etc. visualisiert.
Insgesamt ein schönes Experiment, das neue Darstellungsformen nutzt. In der Fläche wird sich so etwas sicher nicht durchsetzen - aber gerade die ungewohnte Darstellung macht ihren Reiz aus. Es ist kein Buch mehr, ist aber auch keine übliche Webseite, aber eben auch lange noch nicht ein Film. Vielmehr wird hier deutlich, was aus meiner Sicht das "Neue" an "Neuen Medien" ausmacht: Inhalte immer wieder unter neuen Gesichtspunkten (automatisch oder teilautomatisiert) neu zusammenzustellen. Da bietet sich das Web und der Computer natürlich an, aber "Neue Medien" sind eigentlich weniger dem Ausgabemedium angebunden (hervorragend dargestellt von Lev Manovich in "The Language of New Media"). In diesem Kontext ist gerade auch Senghor On The Rocks ein gutes Beispiel.
Viel Spaß beim Lesen unter:
Informationen zum Artikel