Udo di Fabio, Verfassungsrichter und Professor an der Universität Bonn, ist mit der Auszeichnung "Reformer des Jahres 2005" geehrt worden. Er habe sich, so die Jury, in diesem Jahr besonders für marktwirtschaftliche Reformen eingesetzt.
Die Auszeichnung wird jährlich von der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung und der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft vergeben. Eine Jury entscheidet zusammen mit den Lesern der FAZ.
Udo die Fabio wird vor allem für sein Buch "Die Kultur der Freiheit" ausgezeichnet. Mit diesem hat er zum Teil heftige Debatten ausgelöst. Dass er mit seinen Thesen eher im Lager der "konservativen Liberalen" steht, zeigt sich spätestens bei der Lektüre des Buches. Aber damit passt er auch zum Preis der FAZ. Die Laudatio auf Udo di Fabio hielt der Preisträger des Jahres 2003 Friedrich Merz.
Dass die Welt selbstverständlich nicht einfach in "Lagerdenken" funktioniert, zeigt ein Zitat aus der FAZ zur Preisverleihung:
"Um diese Grundlagen ist es derzeit nicht gut bestellt. Die Menschen sind unsicher, von welchen Werten sie sich bestimmen lassen wollen. Sie mißtrauen den überkommenen Institutionen (Familie, Markt, Staat), die ihnen doch eigentlich Sicherheit in den Fährnissen und Entscheidungsnöten des Alltags geben sollten. Viele fürchten den sozialen Abstieg und haben doch weder Kraft noch Vertrauen, auf Veränderungen und Reformen zu setzen. Das demokratische Resultat dieser Unsicherheit heißt „große Koalition”. Deshalb, meint Di Fabio, sei jetzt eine „kulturelle Debatte” nötig. „Es fehlen Lebenskonzepte, die gleichermaßen persönlichen Erfolg, privates Glück und gemeinschaftliche Vitalität versprechen.” Weder linker Interventionismus noch Neoliberalismus, noch die Kombination aus beiden könnten erklären, was die Grundbedürfnisse einer freiheitlichen Gesellschaft sind, sagt er." (Quelle: FAZ)
di Fabio Biographie zeigt dann auch, dass er das verkörpert, was seinem Lebensweg sehr nahe kommt. Als Arbeiter- und Einwandererkind im Ruhrgebiet geboren, 10 Jahre in der Verwaltung gearbeitet, Abitur auf dem zweiten Bildungsweg, Jura- und Soziologiestudium, zweifache Promotion, Habilitation, Professor in Münster, Trier, München und schließlich Bonn, jüngster Verfassungsrichter. Wenn das keine Erfolgsgeschichte ist, die gleichzeitig nachdrücklich die Möglichkeiten von "Freiheit" aufzeigen.
Freiheit heißt dabei für die Fabio nicht die Abwesenheit von Zwängen, sondern vielmehr das freiwillige Binden und das freiwillige Übernehmen von Verantwortung. Das ist für ihn die Grundlage einer freien Gesellschaft.
Weitere Informationen
- FAZ: Reformer des Jahres 2005
- di Fabios Lehrstuhl für Öffentliches Recht (Uni Bonn)
- Sein Buch: Die Kultur der Freiheit
Ein Hinweis in den Comments, den wir gerne in den Artikel übernehmen: Anscheinend hat es einen kleinen Eklat bei der Veranstaltung gegeben. Ein Banner wurde gegen die "Initiative der Neuen Sozialen Marktwirtschaft" entrollt - der Protest wurde aber vom Saaldienst "beendet".
Weitere Informationen finden Sie bei Wissen macht blog
Update: 30.11. 2005 10:15 Uhr
Nachdem inzwischen weitere Medien über die Veranstaltung (und auch den Protest der "Überflüssigen" dort berichten, einige Links zum Weiterlesen:
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