Kontakt  Presse  reticon-Redakteure   Impressum   Datenschutz  
reticon Bildung und Neue Medien
reticon - Bildung und Neue Medien

Logo der Zeitschrift Gehirn und Geist (Schriftzug)

Logo Gehirn und Geist

Autisten - die unterschätzten Außenseiter

21.06.2007, (MR)

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Gehirn & Geist (7-8/2007) setzt sich ein Artikel mit dem Thema Autismus auseinander, der mit einigen Vorstellungen über Autismus aufräumt. Auch in anderen Medien sind Autisten in den letzten Wochen immer wieder Thema.

Nachfolgend ein Auszug des Artikels - mit freundlicher Genehmigung des Spektrum-Verlags:

"Autisten sind geistig behindert? Nein! Sie haben lediglich andere Stärken als ihre Mitmenschen.

Vor allem in sozialer und emotionaler Hinsicht scheinen Autisten in ihrer eigenen, isolierten Welt zu leben und gelten daher als geistig behindert. Ein unbegründe­tes Vorurteil, resümiert die selbst vom Asperger-Syndrom – einer verbreiteten Form des Autismus – betroffene Wissenschaftsjournalistin Nicole Schuster in der neuesten Ausgabe von Gehirn&Geist (7-8/2007).

Auf Grund neuer Forschungsergebnisse müssen viele althergebrachte Ansichten über Autisten revidiert werden. So haben die gängigen Intelligenztests, die auf einer durchschnittlichen Beherrschung der Sprache basieren, bislang nicht be­rücksichtigt, dass gerade die sprachliche Fähigkeiten bei Autisten oft stark von der Norm abweichen. Und wenn Forscher autistische Kinder wegen methodi­scher Schwierigkeiten nicht angemessen testen konnten, gingen sie generell von einer geringen Intelligenz aus und schrieben den Betroffenen einen niedrigen IQ zu.

Dabei verfügen Autisten oft über ganz eigene Stärken: zum Beispiel einen aus­gesprochenen Sinn für Details, ein höchst akkurates Gedächtnis sowie ein präzi­seres visuelles und akustisches Wahrnehmungsvermögen.

Bisher sprachen Forscher Autisten auch die Fähigkeit ab, sich in andere Men­schen hineinversetzen zu können. Auslöser war eine Studie des britischen Psy­chologen Simon Baron-Cohen Mitte der 1980er Jahre. Allerdings waren die bei dieser und ähnlichen Untersuchungen verwendeten Testfragen so komplex for­muliert, dass Autisten daran scheitern mussten – wiederum auf Grund ihrer an­ders entwickelten Sprachfähigkeiten. Jetzt haben Kimberley Rogers und Isabel Dziobek von der New York University gezeigt: Autisten reagieren auf Bilder oder Fernsehaufnahmen, die Leid anderer Personen vermitteln, oft sogar mit stärkerer Erregung als nicht-autistische Menschen.

Im Alltag wirken Betroffene trotzdem oft gefühlskalt – denn sie sind zwar in der Lage, auf Emotionen anderer selbst emotional zu reagieren, doch fällt es ihnen schwer, die Gefühlsregungen des Gegenübers zu erkennen. Sie nehmen die subtilen Hinweise, die sich in Gesten, Mimik und Körperausdruck bis hin zur Tonlage verbergen, nur eingeschränkt wahr. So gelingt es ihnen im Alltag nur selten, einem Ge­sichtsausdruck die korrekte Emotion wie traurig, glücklich oder wütend zuzu­ordnen.

So zeigt eine kürzlich veröffentlichte Studie von Elisa Back von der University of Nottingham: Grundsätzlich besitzen Autisten durchaus diese Fähigkeit – voraus­gesetzt, dass die Augen das Gefühl widerspiegeln. Nur schenken Autisten ver­mutlich von klein auf Gesichtern wenig Beachtung, weshalb sich jene Hirnregio­nen, die für das rasche Erkennen von Gesichtsausdrücken zuständig sind, nicht normal entwickeln.

Eine Studie wies 2005 mittels bildgebender Verfahren nach, dass unter anderem die Amygdala – jene Hirnstruktur, die eintreffende Informationen emotional ein­färbt – bei Autisten sogar stärker arbeitet als bei Vergleichspersonen, wenn die Probanden Gesichter betrachteten. Die amerikanische Psychologin Morton Ann Gernsbacher von der University of Wisconsin-Madison spekuliert, dass gerade diese Überaktivierung der Amygdala der Grund dafür sein könnte, dass die meisten Autisten Blickkontakten ausweichen: So könnten die Betroffenen eine Übererregung durch soziale Reize vermeiden. Leider entgehen ihnen dadurch aber auch wichtige nonverbale Informationen, wie eben der emotionale Gehalt eines Gesichtsausdrucks." (Quelle: Gehirn &Geist 7-8, 2007)

Weitere Informationen unter: www.gehirn-und-geist.de

 

Informationen zum Artikel

blog comments powered by Disqus

Verwandte News

  • Keine verwandten News gefunden.

Verwandte Reporte

  • Keine verwandten Reporte gefunden.

RSS & Social Media

rss-Bild
rss-Bild
rss-Bild
rss-Bild

myreticon

E-Mail
Passwort Login

myreticon wird zum 30.06.2012 eingestellt, bitte sichern Sie Ihre Daten.

Infos & Hilfe | Registrieren

Kostenlose Newsletter

Wöchentliches Newsletter
Tägliche Medientipps

E-Mail:  

reticon-Quiz

Welcher Komponist ist schuld, dass 74 Minuten auf eine CD passen?
Ihre Antwort:
 

» Alle reticon Quiz-Fragen

Sprüche & Zitate

Am Anfang war das Wort, am Ende war es fort.

Ulrich Erckenbrecht