Am Wochenende war es im Briefkasten "Ausdruck - Ausgewählte Beiträge der deutschen Blogosphäre". Hinter dem etwas sperrigen Titel stand ursprünglich erst einmal ein PDF-Dokument in dem Blogbeiträge jenseits ihres Erscheinungsblogs aufbereitet wurden. Christoph Boecken von Jeriko, der das PDF designt hat - setzte es nun auch in etwas handfestes um.
Ein PDF zum Selberausdrucken hat ja nun auch nicht den Charme eines echten Magazins und so sammelte er Interessierte, die bereit waren Geld für etwas auszugeben bloß um es physisch in der Hand zu halten. Bei so etwas bin ich immer gerne dabei und so freute ich mich am Wochenende als der Postbote mir die gedruckte Fassung von "Ausdruck" feierlich übergab.
Mit mir freuten sich wohl gut 100 andere Menschen, die auch bereit waren, dafür gut 10 Euro zu investieren.
Der erste Blick, das erste Anfassen: Großartig, fühlt sich an wie Print, die Aufmachung ist magazinartig, voll im Trend und die Beiträge - ok, die meisten kannte ich schon, aber gerade angesichts der ganzen E-Book-Diskussionen und elektronischen Reader: So ein ausgedrucktes Exemplar hat alle Vorteile, es lässt sich knicken, man kann es mit aufs Klo nehmen: Wunderbar. Und im Familienkreis wurden hier Menschen zu Bloglesern, die im realen Leben eher nicht auf die Idee kämen, ein Blog anzusurfen.
Aber - man findet ja immer auch etwas Haar in der Suppe und so bleibt ein wenig Kritik auch nicht aus. Während ich hier schreibe, wird mir an meiner eigenen Kritik auch immer klarer, dass sie vor allem auf meiner geänderten Erwartungshaltung gegenüber einem Print-Produkt basiert:
Das allererste waren vor allem die Rechtschreibdreher, die mich störten. Das geht schon im Editorial los und ist dann je nach Blogautor "unterschiedlich stark ausgeprägt". Im Blog selbst stört mich so etwas meist eher weniger, in gedruckter Form runzelte ich schon auf Seite 1 die Stirn ;-)
Zweite Kritik ist rein printspezifisch - es wird im Blocksatz mit Silbentrennung gesetzt, das ist nicht verwerflich, aber die Silbentrennung ist so grottig bis grob daneben, da ist die Formulierung, dass das den Lesefluss erschwert noch sehr freundlich. Zur Ehrenrettung - das Editorial verweist direkt darauf, dass hier kein "Printer" am Werk ist, aber trotzdem - die Erwartungshaltung steigt einfach, wenn man Papier in der Hand hat.
Trotz der beiden "Mängel" - mir hat das Experiment sehr gefallen, ich habe Spaß an dem Medienwechsel und gehöre zu den Menschen, die auch bereit sind, einmal ein paar Euro für etwas auszugeben, das ich auch umsonst online bekomme - da zählt bei mir auch die Verpackung, Aufmachung und erweiterte "Nutzbarkeit".
Die Exemplare sind inzwischen laut Jeriko alle ausverkauft - Interessierte können es mit dem PDF und dem eigenen Drucker versuchen - vielleicht gibt es aber auch einmal einen weiteren Versuch, wer weiß.
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