Gestern war es soweit: Der Science-Fiction-Stummfilm "Metropolis" (1927) von Fritz Lang wurde in Berlin erstmals wieder in restaurierter langer Fassung gezeigt. Das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin begleitete live die Aufführung im Friedrichstadtpalast. Gleichzeitig wurde "Metropolis" auf großer Leinwand vor dem Brandenburger Tor und europaweit auf Arte übertragen.
Warum wird nun um diesen Film so ein großes Spektakel gemacht? Lief nicht auch in den letzten Jahren "Metropolis" auf der Berlinale?
Das stimmt zwar, aber bisher fehlten einige Abschnitte des Originalfilms. Denn der ist unmittelbar nach der ersten Aufführung gekürzt und bearbeitet worden, sodass keine einzige ursprüngliche Fassung mehr vorhanden war. Durch Zufall fand sich im Museo del Cine in Buenos Aires ein 16-Millimeter-Negativ. In aufwendiger Rekonstruktion gelang es Mitarbeitern der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung in Kooperation mit Arte, ZDF, der Deutschen Kinemathek und dem Museo del Cine eine 147 Minuten Version aus den vorhandenen Teilen zusammenzusetzen.
Insgesamt ist es ein beeindruckendes aber auch ungewohntes Filmerlebnis. Die Schauspieler haben eine ausdrucksstarke Mimik und Gestik - eine Stummfilm-Ästhetik - an die man sich erst einmal gewöhnen muss. Die emotionale Musik von Gottfried Huppertz steht oft ungewohnt im Vordergrund. Und nicht zuletzt ist die Handlung des Films, die sich an die Apokalypse aus der Offenbarung von Johannes anlehnt, vielschichtig und teilweise überladen. Im Mittelpunkt steht der Klassenkampf zwischen Arbeiterschicht und Ausbeuter. Die Arbeiter bewohnen eine gespenstische Unterstadt und bedienen riesige Maschinen. Zwischen der Erlöserfigur Maria und dem Sohn des Herrschenden entwickelt sich eine Liebesgeschichte. In einem dramatischen Finale wird der Klassenkampf beendet.
Die Moral und das Motto des Films: „Der Mittler zwischen Hirn und Händen muss das Herz sein“. Das Hirn steht für den Ausbeuter, die Hände sind die Arbeiter und das Herz ist der Sohn des Ausbeuters, der sich auf die Seite der Arbeiter stellt und für sie kämpft. Das Drehbuch schrieb Regisseur Fritz Lang zusammen mit seiner Frau Thea von Harbou, distanzierte sich später allerdings selbst von der Aussage von "Metropolis".
Auch wenn das Drehbuch einige Längen und Merkwürdiges zu bieten hat, "Metropolis" ist trotzdem ein wegweisender Film. Beeindruckende Kulissen einer futuristischen Stadt, der große technische Aufwand, Massenszenen und die filmischen Perspektiven beeinflussen bis heute die Ästhetik von Filmen.
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