Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Bildungsrepublik ausgerufen und kurz darauf stapeln sich die Vorschläge aus allen Lagern in den Medien. Eine Republik auszurufen, war früher ja eher eine Sache der Linken, aber sei's drum wir werden sicher nur, wie nach PISA, kurz durchgerüttelt.
Das ist das traurige an unserer Gesellschaft: Themen wie Bildung werden immer nur kurzzeitig an die Oberfläche gespült, vorübergehend herrscht Aktionismus und bald sinkt das Thema wieder unter die Oberfläche und wird weiter nicht beachtet. Politik kümmert sich mit "Dampf" nur an die von den Medien nach oben gespülten Themen - einmal selbst über einen längeren Zeitraum Themen zu setzen, das gibt es eigentlich nicht mehr.
Und jetzt gibt es sie also die "Bildungsrepublik" - vor Jahren haben wir ja alles mit dem Begriff ~gesellschaft bezeichnet (Wissen-, Bildungs-, Konsum-, Erlebnis-) nun ist die Republik dran. Ausgangspunkt der Debatte ist der Bildungsbericht und die immer noch hohe Schulabbrecherquote, an der auch alle Maßnahmen nach PISA bisher anscheinend nichts geändert haben.
Die Vorschläge zielen auf der einen Seite in Richtung "mehr Geld für Bildung" - doch man sollte sich zuallererst mit Strukturen und vor allem Ideen auseinandersetzen, bevor man Geld in "irgendetwas" investiert.
Es ist zwar nett, dass die Kanzlerin die Bildungsrepublik ausruft, real ist der Bund jedoch für wenige Dinge in der Bildungspolitik verantwortlich. Diese Kompetenzen hat man doch gerade zuletzt teilweise den Ländern übereignet - Schulpolitik war dabei schon immer Ländersache.
Und so gut es die PR-Abteilung von Frau Merkel mit uns meint, an die Bildungsrepublik schließen sich dann Bildungsreise und Bildungsgipfel an (fehlt noch der Bildungsrat) wir bezweifeln, dass sich nach den bisherigen Aktionen substantiell etwas ändern wird. Es wird zu sehr nach leuchtenden Beispielen gesucht, die dann überall vorgestellt werden - was fehlt sind die ehrlichen Berichte über die Mißstände im Bildungssystem.
Schauen wir doch einmal auf das Jugendmagazin schekker.de - einem Portal der Bundesregierung, dort findet sich als Nachrichten der letzten Monate: "Auf dem Weg zur Bildungsrepublik", "Du machst Berlin 08!", "Ausgezeichnete Schülerzeitungen", "Cowboy auf Abschiedstour" ... man bekommt nicht den Eindruck, dass Bildung das Thema ist, in dem in unserem Land einiges schiefläuft.
Wir haben es schon oft betrauert und mögen es eigentlich gar nicht mehr wiederholen - es ist uns überall viel zu viel PR, da wird zu viel gelobt und zugeklittert und alle sind begeistert und kommt dann eine Studie daher, die uns zeigt, dass das alles nur Fassade ist, sind alle entsetzt, die Reaktion, auf die Fassade zu verzichten, die bleibt aus.
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