Immer wieder fragen wir uns auf bei reticon, ob bzw. wo es denn ein wirklich gutes Bildungsportal gibt? Auf den ersten Blick sagen viele: Wieso, davon gibt es doch dutzende - auf den zweiten Blick trennt sich aber viel Spreu vom Weizen.
Für uns ist ein Bildungsportal ein Webseite, die professionell mit einer Redaktion (Journalisten, Bildungsexperten etc..) die Welt der Bildung beleuchtet, Entwicklungen begleitet, kommentiert, Anregungen gibt und die Bereiche Bildung, Weiterbildung, Schule etc. voranbringt.
Schaut man auf den Markt der Bildungs-Webseiten, so finden wir eigentlich keine Angebote, die diesem Anspruch gerecht werden. Mag sein, dass wir den falschen Anspruch haben, aber es fällt uns gemeinsam immer wieder auf.
Häufig wird uns gesagt: Was soll diese Frage, es gibt doch learn-line, bildungsklick.de, den Bildungsserver auf Bundes- oder Länderebene. Gewiss haben alle diese Angebote ihren Zweck und wir wollen sie an dieser Stelle nicht schlechtreden. Allerdings muss man sich auch von der Illusion verabschieden, dass hier so etwas wie kritischer und unabhängiger "Bildungsjournalismus" stattfindet.
Learnline z.B. ist inzwischen in schulministerium.nrw.de "aufgegangen" - die Meldungen dort sind aber klassische Bildungs-PR in eigener Sache, keine kritischen Töne, dafür viele nette Verweise auf eigene Aktivitäten. Sicher ist PR kein böses Hexenwerk, aber es ist eben auch kein Journalismus.
bildungsklick.de sammelt zwar deutlich mehr Stimmen, ist aber in weiten Teilen eben auch eine Plattform, die PR weitergibt. Zwar ergeben die unterschiedlichen Stimmen ein differenzierteres Bild, aber das ist eben auch nicht das, was wir suchen.
Diejenigen, die für so etwas vorzüglich geeignet wären, sind die großen Bildungsverbände, Forschungseinrichtungen etc. - doch egal ob Deutsches Institut für Erwachsenenbildung oder andere Verbände - nichts zu finden, dort herrscht noch Web 0.8, vom Bildungsportal weit entfernt.
Im Bereich der Hochschulen finden sich maximal Einzelaktivitäten, eine koordinierte Plattform, die Forschung im Bildungsbereich betreibt - nirgends zu sehen. Einzig IDW sammelt wieder nur PR Meldungen der Hochschulen in eigener Sache.
Aber wie heißt es so schön - DPA ist nett, aber ergibt nur selten redaktionell gute Artikel.
Fachzeitschriften sind im Bildungsbereich kaum mit kompletten und guten Internetangeboten vertreten. Die Gewerkschaften kämpfen verständlicherweise in eigener Sache und eignen sich auch nur begrenzt als die "unabhängige Instanz".
Dabei suchen wir ja gar nicht zwingend den "Neutralen", eine Position zu beziehen ist ja völlig in Ordnung.
Die journalistische Fraktion der großen Medienanbieter widmet sich dagegen immer nur zeitweise den Bildungsthemen. Gibt es eine neue Pisa-Runde, sind alle dabei, dazwischen besetzt RTLII mit Erziehungscamps den Markt.
Die kritischsten und interessantesten Auseinandersetzungen bieten momentan sicherlich die Blogszene - aber dort wird eigentlich ein anderer Ansatz und sicher auch ein anderer Anspruch verfolgt.
Unser Fazit:Sich mit Pressemitteilungen zuschütten zu lassen - kein Problem, abonnieren Sie einfach IDW. Wissenschaftliche oder redaktionelle Texte und Artikel finden sich nur vereinzelt, so unsere Erfahrung. Bildung wird immer mehr zur PR-Schlacht und zum Besetzen von Themen - Inhalte und Diskurs sucht man häufig vergebens.
Letzte ketzerische Anmerkung: Vielleicht gibt es ja auch schlicht keinen Markt, vielleicht wollen viele schlicht mit PR Tam Tam bedient werden?
Aber vielleicht sehen wir das alles falsch - oder haben einfach die richtigen Webseiten noch nicht gefunden?
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