Kontakt  Presse  reticon-Redakteure   Impressum   Datenschutz  
reticon Bildung und Neue Medien
reticon - Bildung und Neue Medien

Stühle Wartesaal

Bild: www.sxc.hu

Armut in Europa nimmt zu

28.02.2007, (RK)

In Europa geht die Kluft zwischen Arm und Reich immer weiter auf: Einem im Auftrag der EU-Komission erstellten Bericht zufolge ist nahezu jeder fünfte EU-Bürger (= 100 Millionen) von Armut betroffen oder bedroht. Immer mehr Menschen haben immer weniger zum Leben. Die Einkommen entwickelten sich mit zunehmender Dynamik immer stärker auseinander. Diese Entwicklung bringe erhebliche individuelle als auch gesellschaftliche Folgen (und Kosten) mit sich.

Das Bureau of European Policy Advisers (BEPA) hat im Auftrag der EU-Komission einen Bericht über "Europas soziale Wirklichkeit" erstellt. Im Rahmen der Berichtserstellung wurden zwischen 17. November und dem 19.  Dezember 2006 26.755  Personen interviewt.

Die Definitionsgrenze für Armut liegt in Europa bei einem Einkommen, dass weniger als 60% des Durchschnitts ausmacht. Besonders interessant sind in Deutschland zwei  Merkmale:  Junge Alleinstehende und Alleinerziehende sind besonders von Armut betroffen oder gefährdet. 42%  der unter 30jährigen alleinlebenden und 44% der Alleinerziehenden sind von Armut betroffen oder gefährdet.

Ebenfalls bemerkenswert ist, dass die allgemeine Wahrnehmung, das Unsicherheitsgefühl stärker zunimmt: Die Angst um den Arbeitsplatz, die Zukunft, die Altersvesorgung. Zwei von drei Europäern befürchten für ihren Nachwuchs ein schwereres und unsicherers Fortkommen als für sich selbst. In Deutschland sind mit 81% die Pessimisten deutlich in der Überzahl.

Wer wenig Geld zur Verfügung hat, ernährt sich schlecht(er), macht sich mehr Sorgen, ist eher von psychischen Erkrankungen wie Depression betroffen, hat weniger Möglichkeiten an seiner Situation zu verändern (Nicht nur der Sprachkurs an der VHS kostet Geld - auch die Fahrt zur VHS und das Lehrbuch zum Kurs!), erlebt gesellschaftliche Dynamik nicht als "Markt der Möglichkeiten", als Chance, Optionenvielfalt, sondern als Bedrohung. Die Krisen- und Katastrophenrhetorik die die öffentlichen Schlagzeilen dominiert, kommuniziert drohend einen permanentem Anpassungsdruck (Nicht umsonst erinnert die Formel vom "Lebenslangen Lernen" mehr an ein Gerichtsurteil denn an die Freiheit, sich neu zu erfinden), kontinuierlich steigende Anforderungen, erzeugt ein kombattantes Klima eines Wettbewerbs um knapper werdende Ressourcen und gesellschaftliche Zugänge.

Instabile Beziehungen, Korrodierung von Familien, Drogenkonsum und Alkoholismus, Übergewicht, Kriminialität, Anfälligkeit für politischen Extremismus - die Liste mit den Satelliten-Effekten führt lauter bekannte Einzelphänomene auf, die hier - wie schon zuletzt Unterschichten-Debatte um das "abgehängte Prekariat" (hier nochmal die von der Friedrich-Ebert-Stiftung in Auftrag gegebene Studie "Gesellschaft im Reformprozess" als PDF) kursierten - in einen Gesamtkontex gestellt werden.

Der Studie zufolge nimmt der Anpassungsdruck auf die Menschen in der EU aufgrund der rapide sich wandelnden Arbeitsgesellschaft exponentiell zu: Die Zahl der Beschäftigungsverhältnisse im produzierenden Sektor nimmt kontinuierlich ab, während der Dienstleistungssektor wächst: "Between 2000 and 2004 over eight million new service jobs were created in the EU 25, while employment fell in industry (down 1.7 million) and agriculture (down 1.1 million)." (S. 8)

Dies hat gravierende Folgen: Mindestens die Hälfte aller Jobs verlangten ein hohes Niveau kognitiver oder persönlicher Fähigkeiten. Für ein viertel aller Jobs IT-Kompetenzen erforderlich - mit zunehmender Rate. Gleichzeitig verfügten ein Drittel der beschäftigungsfähigen EU-Bürger über nur geringe Grundkompetenzen und ein Sechstel aller Jugendlichen in Europa verließen die Schule ohne Abschluss.

Weitere Informationen:
Der Bericht "Europe's social Reality" als PDF (56 Seiten)
Die Internetseite zum Bericht
Die Ergebnisse der Befragung des Eurobaroemters als PDF
Das Eurobarometer im Internet unter http://ec.europa.eu/public_opinion/index_en.htm

 

 

Informationen zum Artikel

blog comments powered by Disqus

Verwandte Reporte

  • Keine verwandten Reporte gefunden.

RSS & Social Media

rss-Bild
rss-Bild
rss-Bild
rss-Bild

myreticon

E-Mail
Passwort Login

myreticon wird zum 30.06.2012 eingestellt, bitte sichern Sie Ihre Daten.

Infos & Hilfe | Registrieren

Kostenlose Newsletter

Wöchentliches Newsletter
Tägliche Medientipps

E-Mail:  

reticon-Quiz

Wo wird das längste Musikstück aufgeführt?
Ihre Antwort:
 

» Alle reticon Quiz-Fragen

Sprüche & Zitate

Der verlorenste aller Tage ist der, an dem man nicht gelacht hat.

Chamfort