Einen "Kult der Blödheit" attestiert eine amerikanische Autorin zurzeit ihren Landsleuten. Ein Professor kritisiert die "intellektuelle Leere" der unter 30-Jährigen und meint eben diese mit seinem Buchtitel "Die dümmste Generation". Verantwortlich für die rapide zunehmende gesellschaftliche Akzeptanz von Unwissenheit und Deppentum sei unter anderem die Netzkultur.
Auch bei uns machte vor kurzem das Buch "Generation doof" Schlagzeilen, legte aber vor allem offen, wie akzeptiert Bildungslücken in unserer offenbar nicht einfach zu beherrschenden Wissens- und Informationsgesellschaft geworden sind. Das Phänomen in Amerika gestaltet sich (noch) etwas grundlegender: Die junge Generation will (mal wieder?) nicht erwachsen werden, nur dass sie sich diesmal Deppen und Trottel als Helden wählt und so die Dummheit zelebriert.
Neben der traditionellen Abgeneigtheit vieler Amerikaner gegen Intellektuelle ist derzeit die Ablehnung von elitären und gut ausgebildeten Oberschichtlern besonders im Wahlkampf zu spüren: Bloß nicht mit Bildung und Wissen punkten, könnte man meinen. Ehrlich gesagt, da ist man doch ganz froh, dass es in "Old Europe" noch Besserwisser geben darf, oder? Aber das Klima wird auch hierzulande rauher...
Doch zurück in die Neue Welt, wo laut Time 35 Prozent der Menschen die Stimme für American Idol für mindestens genauso wichtig halten wie die für die Präsidentschaftswahl: Das Buch "Das Zeitalter der amerikanischen Unvernunft" von Susan Jacoby polarisiert dort die Gemüter (wobei nicht übermittelt ist, ob alle diese Gemüter es auch gelesen haben). Die Publizistin sieht Amerika in großer Gefahr, sein kulturelles Kapital zu verspielen und "gegen eine bösartige Mixtur von Anti-Intellektualismus, Anti-Rationalismus und niedrigen Erwartungen zu verlieren". Allerdings hatte schon vor 25 Jahren eine Regierungsstudie das Mittelmaß an Bildung als ebenso große Gefahr wie einen kriegerischen Akt gegen die USA festgestellt.
Professor Mark Bauerlein fragt bereits kritisch, ob seine Landsleute unter diesen Umständen noch eine wirtschaftliche und politische Vorherrschaft in der Welt beanspruchen können. Bauerlein nennt als Ursache für die Scheu der jungen Amerikaner vor dem Erwachsen-Werden unter anderem das Internet, dass seine Jünger zu einer Generation der Unwissenden mache, obwohl ihm doch gerade das gegenteilige Potenzial zugeschrieben wird. De facto sind gerade junge Amerkaner besonders wahlmüde und politisch uninteressiert.
PISA belegt, dass in den USA (insgesamt Mittelfeld) besonders viele besonders schlechte Schüler sind. Junge Amerikaner stört das nicht einmal, Susan Jacoby fasst diese Tendenz zusammen mit: "Doof ist cool!" Ganz ehrlich, Mr. President: Da möchte ich doch hoffen, dass sich das alte Europa der Dichter und Denker mal ausnahmsweise nicht alles von Euch abguckt und allein schon dadurch Intelligenz beweist.
Zum Thema:
Sehr guter Kurzartikel bei heise.de zum Thema mit zahlreichen Leserkommentaren
Peinlicher Auftritt der Pop-Blondine Kellie Pickler in einem Wissensquiz zum Thema Europa




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3 Kommentar(e) zu "American Idol: Generation doof"Ich glaube, es handelt sich um eine Form des Aufbegehrens gegen die permanente Informationsüberflutung. Nach dem Motto: Lieber blöd, als ein geplatzter Schädel. Vielleicht ist Ignoranz, Egoismus sowie Klugscheißertum einer von der Intelligenz entwöhnten Generation zuzuschreiben, die ziellos in der Weltgeschichte umherirrt.
08.05.2008 14:04
Die Amerikaner mögen zwar unvernüftig doof sein. Aber die steigende Dummheit und Brutalität in Deutschland können die Amerikaner kaum übertreffen!
29.09.2008 13:43
Hier ist die Website zum institutionalisierten Blödsinn: www.generation-doof.com! Mit Infos zu den Büchern der Autoren, Tourdaten und mehr... LG Britta
04.03.2009 22:46
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