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Amazon Kindle - Die Welt der E-Books (Update)

22.05.2011, (MR)

Neue Technologien probiere ich gerne aus und so war es nur eine Frage der Zeit, bis der Amazon Kindle hier auf dem Tisch lag. Bisheriges Fazit: Ein faszinierendes Stück Technologie, vor allem (aber nicht nur) auf Grund des E-Ink Displays.

Was ist ein Kindle?

Ein Kindle wird als die Zukunft des Elektronischen Buches gesehen oder zumindest als ein erster großer Schritt in die Richtung, nachdem das E-Book zwischenzeitlich schon totgesagt war. Nun denn, ein entscheidendes Merkmal der neuen E-Book-Lesegeräte (denn nichts anderes ist der Kindle erst einmal) ist ihr sogenanntes E-Ink-Display. Es unterscheidet sich grundsätzlich von dem, was wir unter Display oder Monitor bisher kennen. Von den Materialeigenschaften ist es tatsächlich eher mit Papier vergleichbar. Hier werden platt gesagt durch Spannung Teilchen so ausgerichtet, dass eine Seite entsteht. Sind die Teilchen einmal ausgerichtet, verbraucht das E-Ink-Display keine Energie mehr.

Wie beim Papier leuchtet E-Ink nicht "von sich aus" sondern benötigt Umgebungslicht. Das Display ist nahezu reflexionsfrei und damit z.B. für den Außeneinsatz perfekt geeignet. Mitten im Sonnenschein lesen - mit einem Kindle oder anderen E-Ink-Geräten kein Problem, ein Ipad ist da im Vergleich so nicht einsetzbar.

Ein Nebeneffekt ist, dass nur zum Seitenaufbau Energie verbraucht wird. So ergeben sich grandiose Akkulaufzeiten, vier Wochen sind bei "normaler Nutzung" wohl kein Problem.

Neben dem Display gibt es beim Kindle unten noch eine "Knopftastatur" und 4-Wege-Navigator. Neben dem Bildschirm gibt es zudem jeweils zwei Tasten links und rechts zum Vor- und Zurückblättern. Mit ca. 240 Gramm ist der Kindle dann auch noch extrem leicht.

Soweit die doch recht begeisterte Einleitung - ich kannte das Vorgängermodell und grundsätzlich die E-Ink-Technik, war aber doch sehr angetan nach dem ersten Auspacken.

Auf dem Kindle orientiert man sich über eine simple Startseite, die man in so etwas wie "Kollektionen" bzw. "Sammlungen" aufteilen kann. Menüs, Tastatur etc. sind momentan auf Englisch, was mich nicht weiter stört, aber vielleicht trotzdem interessant zu wissen ist. In die Collections werden dann E-Books einsortiert. Der Kindle merkt sich automatisch den letzten Stand für jedes E-Book, zusätzlich können Lesezeichen und Anmerkungen gemacht werden.

Nett gelöst ist die grafische Umsetzung für das "Buch-Feeling". Denn einige Neben-Informationen, die ein Buch einfach von sich aus preisgibt, fehlen beim E-Book erst einmal schlicht, z.B.: "Die Schwarte ist 400 Seiten dick und ich habe gut zwei Drittel geschafft". Dem "Link" auf die Überschrift eines E-Books sieht man all diese Informationen nicht an. Beim Kindle ist das aber nicht schlecht gelöst, eine gepunktete Linie gibt den Gesamtumfang des E-Books an, durch fette Punkte wird der aktuelle Lesestand dargestellt. Das funktioniert bei E-Books für mich nach einer Woche Kindle bisher ganz gut, ist aber bei Zeitungen, die ich selbst bisher nicht ausprobiert habe, aber wohl eines der Probleme. Was für ein Artikel erwartet mich, lohnt sich das lesen oder lieber weiterblättern etc.? Sich schnell eine Übersicht verschaffen, geht mit einem Kindle nur sehr schwer - da ist vermutlich das Blättern in der Zeitung derzeit noch deutlich schneller. Aus meiner Sicht ist das aber eher eine Aufgabe für Grafik und Usability als ein echter Show-Stopper.

Schauen wir nun, wie sich die Welt der E-Books gestaltet.

Bunte Welt der E-Books

Auf den Kindle soll der Lesestoff, dazu stehen ca. 3 Gigabyte Speicher zur Verfügung. Den Kindle gibt es mit 3G/WiFi (189,- Eur) oder nur als WiFi-Version (139,- Eur) . Da ich mit dem Kindle erstmal nicht ständig online sein muss, habe ich die günstigere "WiFi-only"-Variante erstanden. WPA-Netzwerke gehen problemlos, 802.1x dagegen nicht.

Seit wenigen Wochen gibt es dann bei Amazon auch einen deutschsprachigen Kindle-Store in dem man ganz klassisch auf der Webseite von Amazon seine Bücher erstehen kann. Die ersten Zeitungen gibt es auch schon, die Kritiken sind hier aber bisher eher durchwachsen (z.B.: ZEIT, FAZ, Handelsblatt, NZZ).

Zeitungs-Abos könnten sehr nett werden, da sie wirklich als Abo funktionieren und der Kindle sich die neuen Ausgaben direkt im Hintergrund herunterlädt.

Neben kostenpflichtiger (und aktueller Literatur) gibt es bei Amazon auch jede Menge "Umsonst-Bücher", meist aus Quellen wie Projekt Gutenberg etc. Kaufen geht wie immer bei Amazon, problemlos, unkompliziert und nach dem Checkout wird das E-Book direkt auf den Kindle übertragen.

Mit den Amazon-Büchern klappte das perfekt, hier kann der Kindle schön glänzen. Nebenbei erwähnt, war der Kindle nach dem Auspacken schon "personalisiert", d.h. das einzige Einrichten bestand für mich im Einrichten der WLAN-Verbindung, keine weiteren Zugangsdaten eingeben, der Kindle war direkt mit Amazon verbunden (manch einem mag das ein ungutes Gefühl bereiten).

Kindle-Apps

Ein netter Nebeneffekt auf den ich noch hinweisen möchte: Für diverse Plattformen (Ipad, Android, Mac, Windows etc.) gibt es seit einiger Zeit auch Kindle-Apps. Die E-Books, die man sich für den Kindle kauft, kann man auch problemlos z.B. in die Kindle-App auf das iPad übertragen lassen.

Alle Kindle-Fassungen synchronisieren dann im Hintergrund den aktuellen Lesestand und fragen beim Start desselben E-Books auf einem anderen Gerät ob man denn direkt an die aktuelle Stelle blättern soll. Auf der einen Seite ganz nett - auf der anderen Seite mag ich das Gefühl nicht, dass Amazon nun auch noch mein Leseverhalten trackt.

Was der Kindle noch so kann

Neben der klassischen Disziplin "E-Book-Lesen" kann der Kindle auch noch ein paar Sachen mehr. Man kann sich Notizen, Lesezeichen, Anmerkungen machen - was aber mit der Knopftastatur nur begrenzt Spaß macht. Ähnlich beschwerlich ist der integrierte Browser, aber für zwischendurch, um gerade einmal etwas in Wikipedia nachzuschlagen oder die neuesten Blogbeiträge zu lesen, ist das in Ordnung. Der verzögerte Display-Aufbau ist hier auch etwas hinderlich - beim Lesen stört er dagegen kaum, gefühlt wie "umblättern" im klassischen Buch.

Material auf den Kindle bekommen

Der Amazon-Bookshop ist nett - aber nur E-Books erwerben, dafür ist der Kindle dann etwas zu teuer im Vergleich zu den Einsparungen, die man beim Kauf eines E-Books im Vergleich zu der Papierversion macht. Häufig ist das in Deutschland nicht sonderlich viel. Die Preiswelt für E-Books ist dann - typisch für Deutschland - kompliziert. So richtig klar ist mir nicht geworden ob E-Books nun der Buchpreisbindung unterliegen oder nicht. Klar ist wohl, dass ein gedrucktes Buch einen geringeren Mehrwertsteuersatz hat, das E-Book schlägt mit den vollen 19 Prozent zu Buche (s. auch: ZEIT-online: Des E-Books stolzer Preis


Wie bekommt man also weiteres Material auf den Kindle?

Der Kindle selbst ist in Amazons "Whispernet", das ist netter Marketing-Sprech für die Übertragung von Daten an den Kindle.

Zuerst die schlechte Nachricht - direkt geht das nicht, der Kindle kann nur sein eigenes Format: Im Klartext: schöne neue DRM-Welt.

(Update: Die Beschränkung der Formatvielfalt auf das eigene E-Book-Format und die "Nicht-Unterstützung" von z.B. dem weitverbreiteten epub ist letztendlich auch ein Monopolisierungsversuch von Amazon und vielleicht weniger dem DRM geschuldet, dank an die Comments). Aber es gibt eine ganze Menge Möglichkeiten: Man erhält von Amazon eine persönliche Kindle-E-Mailadresse, an die man Material schicken kann, das konvertiert wird und dann auf den eigenen Kindle geschickt wird. Das funktioniert für viele Format ganz gut (Office, PDF etc.).

Bei mir bleibt das ungute Gefühl, dass ich private Dokumente nicht in die USA oder sonstwohin schicken möchte, um sie dann zurückzubekommen. Aus Datenschutz-Sicht finde ich diese ganzen "Cloud"-sonstwie-Services sehr bedenklich.

Ein Hinweis noch: Mit der Software Calibre (Mac, Windows) gibt es ein mächtiges Tool, um E-Books hin- und herzukonvertieren, RSS-Feeds für den Kindle aufzubereiten etcpp.

Update 24.05.2011
Inzwischen habe ich ein paar weitere Informationen/Erfahrungen mit dem Kindle, mit dem sich manches zumindest in einem anderen Licht zeigt.
Der Kindle lässt sich via USB direkt ansprechen, man kann E-Books im passenden Format ohne den Umweg über die Kindle-Mailadresse direkt auf den Kindle bekommen. Hier zeigt sich vor allem die Stärke der oben erwähnten Software Calibre - Datei lokal umwandeln und dann ohne Umweg auf den Kindle schieben - das geht!
Über Calibre lassen sich z.B. auch die Collections über ein Plugin am Rechner "fern-verwalten", das finde ich deutlich angenehmer als über die Kindle-Knopftastatur.

Letzte Neuigkeit: Amazon denkt anscheinend darüber nach, den Kindle für das deutlich populärere epub-Format in Kürze zu öffnen, hofen wir, dass das stimmt und bald kommt: Bookseller.com: Amazon to accept ePub files

Was mich fasziniert

Die Technik E-Ink ist ein großer Schritt, das Gerät ist inzwischen in der 3./4. Generation, schön leicht, lange Akku-Laufzeit. Für die ganz normalen Taschenbücher könnte das für mich wirklich die Alternative werden.
Gleichzeitig bietet es auch vielleicht (hoffentlich ;-) neue Wege für Autoren. Die Gewinnbeteiligungen bei E-Books, die ein Autor nicht über einen Verlag veröffentlicht sondern direkt bei Amazon veröffentlicht, liegen für den Autor je nach Modell teilweise bei 70 Prozent.

Was mich stört

Die eingeschränkte Plattform, alle Daten über Amazon schicken zu müssen - das stört mich in allererster Linie. Mit den Einschränkungen des Gerätes selbst (Bildaufbau, Tastatur etc.) kann ich mich anfreunden, bzw. fühle mich in der Hauptanwendung "Lesen" nicht tragisch eingeschränkt. Parallel dazu ist die Technik noch so neu, dass wieder einmal jeder sein eigenes Gerät und passend dazu sein eigenes E-Book-Format entwickelt. Das führt gerade auf der E-Book-Seite zu großer (inkompatibler) Vielfalt, hier steht auf jeden Fall aus meiner Sicht eine reduzierende Konsolidierung an. Bleibt zu hoffen, dass das E-Book-Format, das man nutzt, übrigbleibt, denn ein entscheidender Unterschied zum gedruckten Buch ist: Das gedruckte steht bei mir zu Hause im Schrank, zieht mit um, ist meins. Das E-Book gibt es nur auf den Geräten, das ist nicht meins, da habe ich eher so etwas wie eine Nutzungslizenz, stirbt die Gerätegeneration und das Format, das ich nutze, ist es mehr als fraglich ob ich meine E-Books "konvertiert" bekomme.

Vielleicht liegt die Zukunft ja in Tablet-Geräten à la Ipad, die auf der Rückseite ein E-Ink-Display haben - bzw. eine Kombination aus E-Ink und klassischen Display.

Fazit

Bisher macht der Kindle Spaß - auch wenn es noch nicht das Ende der Fahnenstange ist. Aber (vielleicht) entwickelt sich hieraus etwas, das die nächsten Jahre die Welt und den Büchermarkt verändern wird.
Dabei muss es aus meiner Sicht kein Kindle sein - es gibt viele alternative Geräte auf dem Markt. Für mich hat der Kindle (auch zu meinem Kaufverhalten) durchaus gepasst - auch wenn mich die Einschränkungen ärgern. Ich hatte seit längerem den Textr im Blick, aber hier kommen mir leider zu wenige Informationen und ein Erscheinungstermin steht weiterhin nicht fest. Nach den letzten Meldungen verdient Amazon in den USA inzwischen mehr Geld mit E-Books als mit gedruckten Büchern.

Ein paar Links zum Schluss:

Update, weitere Hinweise zu WebServices rund um den Kindle:

  • Instapaper
    bietet einen "Read-Later"-Bookmarklet, Seiten zum späteren Lesen auf den Kindle schieben bereitet auch RSS-Feeds auf
  • kindlefeeder.com , ähnlich wie instapaper aber mit dem Schwerpunkt RSS-Feeds

 

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