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Alles nur Neuro?! â€" Psychologie im 21. Jahrhundert

24.06.2005, (MR)

Die aktuelle Ausgabe von Gehirn&Geist (07-08/2005) beschäftigt sich intensiv mit den Möglichkeiten und Grenzen der Psychologie. Führende Psychologen aus Deutschland erläutern ihre Positionen.

Nachfolgend ein Ausschnitt aus dem Artikel - mit freundlicher Genehmigung des Spektrum-Verlags.
Weitere Informationen erhalten Sie im Internet unter www.gehirnundgeist.de

""Der Psychologie kommt die zentrale Rolle in dem großen Projekt zu, die Natur psychischer Prozesse zu verstehen." Dies behaupten Deutschlands führende Psychologen in einem gemeinsamen Papier. Exklusiv in Gehirn&Geist erläutern die Forscher Lage und Zukunft ihrer Wissenschaft in Zeiten des "Neuro-Booms".
Hirnforscher untersuchen, wie das Nervengewebe im Kopf arbeitet, und blicken dafür mit modernsten Verfahren tief in das lebende Gehirn. Doch lassen sich auf diese Weise auch die Rätsel von Psyche und Bewusstsein lösen - wie manche Neurowissenschaftler immer wieder vollmundig verkünden? "Wir dürfen die Messung von Gehirnaktivität nicht mit kausalen Erklärungen psychischer Leistungen verwechseln", schreiben jetzt sechs bedeutende deutsche Psychologen - darunter die Max-Planck-Direktoren Wolfgang Prinz und Ulman Lindenberger sowie die Leibnizpreisträger Klaus Fiedler und Reinhold Kliegl - in der neuen Ausgabe des Magazins Gehirn&Geist (7-8/2005). Denn die bunten Hirnscans etwa, die man bei solchen Messungen gewinnt, seien selbst nur Anzeichen für die zugrunde liegenden Prozesse. Um das Feuern der Neurone wirklich zu verstehen, bedarf es vielmehr ausgefeilter psychologischer Modelle. Die sechs Vordenker sind deshalb sicher: Die Psychologie bleibt unverzichtbar!
Wie keine zweite Disziplin vereint die Psychologie geistes-, sozial- und naturwissenschaftliche Ansätze. Sie erforscht menschliches Erleben und Verhalten auf einer eigenständigen Analyseebene - weit jenseits der basalen Vorgänge an Nervenzellen und in eng umgrenzten Hirnarealen. Und so tragen Psychologen heute nicht nur zur Lösung vielfältiger gesellschaftlicher Probleme bei, auch in der Grundlagenforschung haben sie ein großes Inventar schlagkräftiger Methoden und Theorien entwickelt. Nur mit deren Hilfe - sowie gemeinsam mit anderen Disziplinen wie der Genetik, der Neurophysiologie oder der Ökonomie - ist es möglich, unser hoch komplexes psychisches Innenleben beim Wahrnehmen und Fühlen, Denken und Sprechen Schritt für Schritt zu ergründen. Dies gilt es gerade angesichts der hoch fliegenden Visionen und Erklärungsansprüche so mancher Hirnforscher verstärkt in Erinnerung zu rufen. Ohne psychologisches Hintergrundwissen bleiben nicht zuletzt auch öffentlich geführte Debatten etwa um den freien Wille fruchtlos. Selbstbewusst betont das Forscher-Sextett in Gehirn&Geist daher: "Ohne Psychologie geht es nicht."
Quelle: Gehirn&Geist

Gehirn&Geist ist das Magazin für Psychologie und Hirnforschung aus dem Verlag Spektrum der Wissenschaft, Heidelberg. Ausgabe 7-8/2005 erscheint am 21. Juni.

 

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