In dem Film Minority Report von Steven Spielberg hat es der von Tom Cruise verkörperte Polizist John Anderton schwer seinen Häschern zu entkommen: An jedem Geschäft, das er passiert, wird er via Augenscan erkannt und angesprochen. Die Datenbanken haben sein Kaufverhalten gespeichert, analysiert und zu einem Geschmacks- und Konsumprofil kompiliert und wenden dieses Wissen nun alsgelenkte Kaufaufforderung gegen ihn "Mr. Anderton, brauchen Sie nicht einen neuen Winterpullover...den letzten haben Sie vor einem Jahr gekauft.."
Schon jetzt ist dieses Konsumprofiling in milder Form im Gange, etwa wenn man sich bei AMAZON durch einige Artikel hindurchklickt und eine Liste weiterer thematisch ähnlicher Produkte angeboten bekommt: "Kunden, die dieses CD/dieses Buch/diese DVD gekauft haben, haben auch diese CD/dieses Buch/diese DVD gekauft.." Die Kundenkarten, mit denen Bonuspunkte gesammelt werden dienen nicht zuletzt der Ermittlung des Kaufverhaltens. In seinem Film "Die Schöpfer der Einkaufswelten" zeigt Harun Farocki, wie die Planung eines Feldzugs der eines Supermarktes ähnelt, wie wenig Konsum und Krieg als logistische Unternehmen voneinander entfernt sind: Es geht um Strategie, Ressourcenmanagement, Analyse und Antizipation von Bewegungen.
Eine unbedenkliche oder wenigstens unvermeidliche Entwicklung? Was sind persönliche Daten über Kaufverhalten, Bewergungsmuster, Reisegewohnheiten etc. schon wert, bzw. warum sollte es problematisch sein, diese zu speichern? Am Beispiel der Krankenkassenchipkarte werden Probleme deutlich: Wenn über die Speicherung Krankheiten, Befunde, problematische Veranlagungen z.B. für private Krankenkassen abrufbar werden, könnte es für Menschen mit chronischen Krankheiten schwerer werden sich zu versichern. Gesucht ist der dauer gesunde, wirtschaftlich stabile, aktive Konsument. Die Datenspeicher versuchen ein Netz zur Identifizierung wirtschafltich interessanter Wirtstiere und zur Eliminierung derer, die nicht genügend Chips haben,um am Spieltisch Platz zu nehmen.
Zahlreiche futuristische Filme zeichnendie unterschiedlich denk- und deklinierbaren Visionen eines kommenden Totalitarismus (des Fernsehens in RUNNING MAN, des gehirngewaschenen Weichspüldenkens in DEMOLITION MAN, des Dogmas der Reinheit in GATTACA, die Angst vor Identitätsverlust bei INVASION OF THE BODY SNATCHERS usw.).
Wo fängt dieser an. Beim Fingerabdruck im EDEKA in der Pfalz?
Lesen Sie zu diesem Thema den Artikel in Süddeutsche Zeitung ONLINE:
"Der Bezahlvorgang dauert nur noch zwei statt durchschnittlich 50
Sekunden. Die Legitimation per Geheimzahl wie bei der Kartenzahlung
entfällt völlig.
Diese Vereinfachung spart auch dem Supermarkt
Geld. In der Kasse sammelt sich weniger Bares an, die
Versicherungskosten sinken. Darüber hinaus „sind die Kosten für den
Zahlungsverkehr halb so hoch wie bei Bezahlung mit EC-Karte“, erklärt
Duschan Gert, Pressesprecher der Edeka-Regionalgesellschaft Südwest, zu
dem Fitterers Markt gehört.
Und wenn das Konto des Kunden nicht
gedeckt ist, kann sich der Markt die Ermittlung der Adresse bei der
Bank sparen. Das kostet bei der EC-Karte zwischen zehn und 15 Euro.
Beim
Fingerprint-Verfahren hinterlegen Kunden ihre Anschrift direkt beim
Supermarkt. Die Umrüstung pro Kassenplatz kostet zwar 1200 Euro, aber
dieses Geld hat sich „nach acht bis neun Monaten amortisiert“, so
Duschan Gert." (Quelle: Süddeutsche Zeitung Online)
Die schöne neue Medienwelt macht immer mehr möglich. Die Frage ist, ob wir alles, was möglich und denkbar ist auch umsetzen wollen sollten.
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