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10. Todestag von Vilem Flusser

29.11.2001, ()
Wir möchten an dieser Stelle an den Medienphilosophen Vilem Flusser erinnern. Wir zitieren einen Ausschnitt aus unserem reticon-Newsletter, das letzte Woche ein Special zu Vilem Flusser enthielt: anlässlich des 10. Todestages am 27. November des Medienphilosophen Vilem Flusser bringen wir ein extra-reticon-Newsletter heraus. Wir möchten Ihnen ein klein wenig die Gedankenwelt Flussers näher bringen und haben Ihnen einige Informationen zu seinem Leben und Werk zusammengestellt. Außerdem geben wir Ihnen eine Übersicht, welche Informationen reticon zu Vilem Flusser bietet. Biographisches Vilem Flusser wurde am 12. Mai 1920 in Prag geboren. Seine Eltern kamen aus unterschiedlichen europäischen Richtungen des Judentums. 1939 wurde er aus der Prager Welt durch den Einmarsch der Nazis herausgerissen, sein Vater wird in Buchenwald, seine Mutter und seine Schwester werden in Auschwitz umgebracht. Vilem Flusser kann über England mit Edith Barth, seiner späteren Frau, nach Brasilien fliehen. Dort ist er erst lange Jahre als Geschäftsmann im Unternehmen seines Schwiegervaters tätig, aber auch zu dieser Zeit schreibt er schon Essays und Artikel, z.B. als freier Korrespondent für die FAZ. Flusser hatte schon in Prag angefangen zu studieren und setzt diese Tätigkeit auch in Brasilien nebenher fort. 1959 wird er als Dozent für Wissenschaftsphilosophie an die Universität São Paulo berufen. Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte sind Sprachphilosophie und Kommunikation. 1973 siedelt er in die Provence über, er wechselte die Jahre zuvor schon öfters zwischen den Kontinenten hin und her. Er hält in dieser Zeit an unterschiedlichen Universitäten in Südfrankreich Seminare und Vorträge. Mit seinem Lebensmittelpunkt in der Provence unternimmt er auch öfters Vortragsreisen in die Schweiz und nach Deutschland, schreibt Essays und Glossen für schweizer und deutsche Zeitungen. 1991 erhält er eine Gastprofessur an der Ruhr-Universität in Bochum. Am 27. November 1991, nach einem Vortrag am Goethe-Institut in Prag, stirbt Vilem Flusser auf der Heimfahrt an den Folgen eines Verkehrsunfalls. Vilem Flussers Theorie Wir wollen erst gar nicht versuchen die Theorie Vilem Flussers komprimiert in ein Newsletter zu pressen, sondern möchten anhand eines Zitates Ihnen einen ersten Einblick in Flussers Welt zu geben: "Das Denken vom Bett aus betrachtet Man legt sich hin, um zu schlafen. Das so zu sagen, ist schon ein grammatikalischer Fehler. Man kann nicht schlafen wollen, sondern man fällt spontan in den Schlaf, wie in den Tod und die Liebe. Aber um hineinfallen zu können, muß man sich fallen lassen. Die indoeuropäischen Sprachen verfügen jedoch nicht über jene grammatikalische Form, die zwischen aktiv und passiv liegt, um der Gelassenheit Ausdruck zu verleihen. Also: Man legt sich gelassen hin, um spontan in den Schlaf zu fallen. Der Schlaf merkt die Absicht, ist verstimmt, und versperrt sich. Wir liegen da auf dem Bett, unter dem Bett liegt der Schlaf, und die Bettbarriere bleibt geschlossen. Aber wir müssen schlafen. Wir wissen zwar nicht, warum wir dies müssen, aber wir wissen, daß wir dies müssen, und daß wir dieses Müssen vergessen müssen, falls wir schlafen wollen. Wir haben Techniken entwickelt, um uns zum Fall in den Schlaf zu zwingen. Gelassenheitstechniken, zum Beispiel Schäfchenzählen. Wir hoffen dabei, daß der Schlaf nicht hinter unsere Technik kommt und sie für echte Gelassenheit hinnimmt. Aber das mit dem Schäfchenzählen ist eine gefährliche Sache. Es kann nämlich faszinieren, und das Schlafenwollen vergessen lassen. Zuerst lasse ich meine Schäfchen in Reih' und Glied vorbeimarschieren und zähle sie eins nach dem anderen. Aber sie scheinen von selbst Gruppen bilden zu wollen und mich dabei mit ihren Schafsaugen idiotisch-unschuldig anzusehen. Um sie zu zählen, müßte ich mich an die Mengentheorie erinnern. Dabei fällt mir ein, daß es Russel und Whitehead nicht eigentlich gelungen ist, Logik und Mathematik auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Und wie war das eigentlich damals, als Russel den Wittgenstein zu Frege schickte, um mit ihm über die Möglichkeit eines Propositionskalküls zu reden? " (Vilem Flusser, Zitat aus einer Kolumne für das Telepolis Magazin des Heise Verlags) Wenn Sie weiterlesen wollen: Sie erhalten die ganze Kolumne im Archiv des Telepolis Magazins unter http://www.heise.de/tp/deutsch/kolumnen/flu/2144/1.html

 

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