
"Der Internist Horst P. bekämpft seine Überbelastung mit Valium, das er sich selbst spritzt. Als seine Ehe zerbricht, kommt massiver Alkoholkonsum hinzu. Bald weigern sich Kollegen, Patienten an ihn zu überweisen. Auch Michael F., ebenfalls Internist, leidet unter Überbelastung. Auf dem Höhepunkt seiner Sucht trinkt er täglich zwei Flaschen Wodka, behandelt mit drei Promille Alkohol im Blut seine Patienten. Seine Frau hilft ihm aus dieser Krise. Soviel Glück hat Franz S. nicht. Sein Berufsalltag als Leiter einer Klinik macht ihn zum Alkoholiker, er steht nachts auf, um Wein zu trinken. Seine Frau verlässt ihn, er verfällt in Depressionen. Nach Schätzungen der deutschen Ärztekammern sind über 20.000 Ärzte in der Bundesrepublik suchtmittelabhängig - durchschnittlich doppelt so viele wie in der Restbevölkerung. Diese Statistik ist kein Zufall, der Arztberuf birgt überdurchschnittlich hohe Risiken für Suchtkrankheiten. Eine enorme körperliche und psychische Belastung ist ein Charakteristikum dieser Branche, erklärt Professor Götz Mundle, Leiter der Oberbergkliniken Deutschland, die sich auf Mediziner mit Suchtproblemen spezialisiert haben. Ärzte genießen in der Regel großes Ansehen, haben ein hohes Einkommen. Der Preis dafür ist jedoch oft Dauerstress: Wochenend- und Bereitschaftsdienst, Nachtarbeit, 20-Stunden-Schichten. Dazu kommt die mentale Belastung: Wenn sie einen Patienten sterben lassen müssen oder den Eltern erklären, dass ihr Kind es nicht schaffen wird, nehmen sie diese Gedanken mit nach Hause, sagt der ehemalige Klinikleiter Dr. S. Wo eigentlich lange Regenerationsphasen nötig wären, ist das Gegenteil der Fall. Je weniger Zeit zum Abschalten zur Verfügung steht, desto schneller muss es gelingen - die Hauptursache dafür, dass Ärzte zur Flasche oder zu Medikamenten greifen. Der nahezu uneingeschränkte Zugriff auf Arzneimittel verstärkt diesen Effekt. Der Film Halbgötter in Not von Victor Grandits greift das Tabuthema suchterkrankter Ärzte auf. " (Quelle: 3sat)
Kategorie: Gesellschaft
Graffito